Dancing Dialogue – Teilen

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Global Water Dance 2019, Gelbes Ufer, Rügen. Fotos Elke Wagner, Musik Stefka Weiland, Leitung G.F.

Seit vier Tagen kommen wir vormittags hier her und begegnen dem Meer, uns, den anderen. Heute am Global Water Dance Day Unwetterwarnung. Ich zweifle, ob es richtig ist hier her zu kommen. Die Inseln um uns melden verheerende Überschwemmungen, Gewitter … . Unser Tanzplatz scheint wie herausgehoben aus dieser Katastrophe, einzig der starke Wind und Wellengang lassen uns das Unwetter das um uns herum tobt erahnen.

Die Choreografie beginnt, als wir mit unseren Tanzstäben am Ufer zu unserem Tanzplatz losziehen. Alles, was sich von diesem Zeitpunkt an in unserem Ballsaal ereignet gehört zu unserem Tanz, bis sich das Zeitfenster schließt. Der Wind ist heftig und drückt immer wieder unsere Stecken, die den Tanzplatz begrenzen sollen, nieder. Der Tanz beginnt ohne den doppelten Boden einer eingeübten Choreografie, ohne zu wissen, wie der Tanz verlaufen wird, stellen wir uns in den Wind und und treten dem aufgebrachten Wasser am Ufer gegenüber. Den Atem spüren und erst einmal abwarten, was sich in diesem Augenblick der Begegnung bewegt.

Wir haben drei Tage mit großen Bewegungen das Meer bis zum Horizont begrüßt, diese Bewegungen sind auch heute da. Erst mal innen und außen wahrnehmen, mich, die Füße im Sand, den Wind in den Kleidern, am Körper und sein Zerren in das Außen hinein. Der Atem, die Bewegungen folgen und fliegen, schnell mit dem Wind, weit übers Wasser. Was passiert mit dem Horizont?


Bis die erste zu Boden geht. Andere folgen. Das Ufer, der Sand, die Erde. Das Wasser der Ozeane, der Seen und Flüsse liegt auf der Erde. Unser Grund, die Beziehung, die Verbindung von Wasser und Erde tritt in den Vordergrund. Ein Spannungsfeld von im Stehen Tanzenden und im Liegenden Tanzenden entsteht und geht in Verbindung. Aus einzelnen Tänzerinnen wird eine Gruppe. Die Blicke gehen zueinander. Wir beginnen uns wahrzunehmen im Sturm, am Ufer, am Wasser. Die Aufmerksamkeit geht zum Ich und dann zum Uns. Der Wind tritt zurück im Wahrnehmen.

Verbundenheit im Spiel mit dem Wind, Synchronizität, Wiederholung, Verstärkung, zu Ende führen einer Bewegung, Rhythmisierung, Begegnung mit dem Raum, der Zeit, bei sich sein und mit den anderen, in Verbindung mit dem Meer, dem Wind, aufatmen. Individuum und Gruppe. Die Kontrolle über das Geschehen weicht mit dem Teilen der Verbundenheit. Verbundensein nicht als Metapher sondern als reale Erfahrung in der Choreografie des Augenblicks. Was passiert mit dem Horizont? Er spannt sich in einem außergewöhnlichen Bogen hinter uns und scheint das Meer hochzuziehen. Was für ein Tanz? Über die Verbindung zur Musikerin habe ich noch gar nicht geschrieben.

Manchmal scheint das Tosen und Toben die Musik, den Rhythmus und den Klang zu verschlingen und dann tauchen die Töne plötzlich wieder auf, erscheinen schemenhaft an unserem Ohr, Vermischen sich mit unseren Bewegungen im Sturm am Wasser. Ganz nahe an den Körpern der Tanzenden webt sich ein Netz aus Klängen, das einlädt, den Bewegungen des Lebens, in diesem Augenblick zu folgen. Es gibt nichts wichtigeres zu tun. Hier. Jetzt.

Unser Tanz läßt uns spüren, dass wir ein Teil sind von diesem Ganzen. Wir teilen den Raum und die Zeit miteinander, untereinander, mit der Musik, mit dem Wasser, der Erde, dem Horizont. Unser Tanz wird zu einem Geben und Nehmen. Berühren und berührt werden, berührt sein.

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