Aufforderung zum Tanz

Aufforderung zum Tanz

Seit dem letzten Blog Eintrag ist viel geschehen. Direkte und indirekte Antworten zum Thema Körperarbeit und Tanz, zu dem Alleinstellungsmerkmal von HKIT und DD. Heute will ich versuchen, den vielfältigen Austausch unter einen Hut zu bringen und da fängt es schon an. Schreibe ich Aufforderung zum Tanz oder Einladung zum Tanz? Beides ist gemeint, wenn MMP von ihren aktuellen Arbeits- oder Tanzerfahrungen auf Sylt spricht.

Erst die Verbindung, die der Tanz zwischen Körper und Bewegung herzustellen vermag, beobachtet sie, erst die Aufforderung zum Tanz nach der Körperarbeit, hat die Kraft, die uns wirklich zu bewegen vermag. Dabei geht es darum aus dem Körper in die Bewegung, den Tanz zu kommen und aus der Bewegung in den Körper zu gelangen.

Entscheidend ist es, dass wir begreifen: Wir selber müssen es tun. Nur dann gelangen wir in die Kraft, die Yvonne Middelborg als „it‘s magic“ bezeichnet.

Entscheidend ist es, dass wir begreifen: Wir selber müssen es tun. Wir, die wir eine Gruppe leiten, können dabei nur den Rahmen anbieten. Dabei ist die Aufforderung zum Tanz nach der Körperarbeit in den HKIT von zentraler Bedeutung. Körperarbeit ohne Aufforderung zum Tanz, zur individuellen Verbindung von Körpererfahrung mit Bewegungserfahrung in der Gruppe, im Raum, dem freien Bewegungsimpuls folgend, fehlt dieser für die Wirksamkeit bedeutende Verbindungsimpuls, den wir aus den HKIT kennen.

In diese Gedanken von Gosia hinein kommt eine WhatsApp von FF. Sie hatte diese Woche ein bedeutendes und erfolgreiches Treffen mit der Henry Moore Foundation zu unserer Tanzreisen im Juni nach Perry Green. FF sagt, was macht Inzmühlen unter den Heidedörfern zu etwas besonderem, sodass ich seit Jahren dort hinreise? Es ist der Tanz, der dort stattfindet.

Wow, denke ich und schaue mir die Videos an, die ich zu den Henry Moore Tanzstudien von FF in London gemacht habe. Hydepark. Da steht eine, bestimmt 6 m hohe Skulptur von Moore, aus Stein. FF Tanz in Korrespondenz zu der Skulptur, die mich an ein menschliches Becken auf Stelzen erinnert auf dem gegenüberliegenden Teichufer. Ich muss mit der Kamera so weit weg, dass ein breiter Kiesweg zwischen FF und mir Raum läßt zur Passanten, die joggend durchs Bild rennen oder sich erschrocken aus der Bildfläche zurückziehen oder laut schwatzend mich gar nicht wahrnehmen, während FF sich mit langsamen, intensiven Bewegungen der Skulptur auf der anderen Teichseite annähert. Enten, Schwäne und Tauben treten in den Korrespondenzraum ein. Die horizontalen Fließbewegungen des Wassers, die Schwimmbewegungen der Wasservögel, die Bewegungen der durchs Bild laufenden Passanten werden diagonal gekreuzt von der Aufforderung zum Tanz zwischen FF und der HMSkulptur. Ein beeindruckendes Zusammenspiel im Dancing Dialogue.

STW schaut mit mir zusammen das Video in der sommerlichen Hitze in Brasilien an und antwortet meinem fragenden Blick, na, was siehst du?, mit einem Spontangedicht: Am Ufer die Knochen alleine zurückgelassen , es schwimmen die Bewegungen und suchen nach Ihresgleichen.

Da sehe ich gleich nochmal mehr. Ja, und dann meldet sich noch SB mit ihrem frisch bemalten Maskengesicht in rot und gelb. Die Maske springt mich aus dem Display direkt an, mit der Aufforderung: komm tanz’ mit mir. All das an einem Morgen in Brasilien auf der Veranda in den tropischen Garten, während in Deutschland schon der winterliche Nachmittag begonnen hat.

Ich bin hellhörig geworden für Einladungen zum Tanz und wirklich beginnen die Einweihungsgeschäfte unseres neuen Tanzplatzes noch an diesem Abend. Hell erleuchtet strahlt der Tanzplatz mit vorgeburtstäglicher Musik beschallt in tänzerischem Glanz bis tief in die Nacht unter dem südlichen Sternenhimmel … der Tanz beginnt und ist ein Fest geworden, oder wie sagt Rilke? Damit unterscheidet sich Gamboa von den anderen Dörfern der Insel, weil hier der Tanz stattfindet.

Doch damit nicht genug. Gestern schickt mir SR ein Indianermärchen, indem diese Kraft der Bewegung mit Takuskanskan bezeichnet wird. Skan, die geheime Kraft der Bewegung bei den Sioux und Lakota. Ihr Geist befindet sich in allen Dingen, die sich bewegen. Er beseelt sie und bringt sie zum Leben. Takuskanskan gehört zum Sonnentanz. Takuskanskan bezeichnet die spirituelle Seite der Bewegung.

Damit schließe ich meinen Wochenbericht und trete in die neue und leider letzte Woche meines Brasilienaufenthalts ein. Danke für den profunden Austausch und die Aufforderung zum Tanz. Die ich gerne weiter gebe. Tanzt, wenn ihr nicht mehr weiter wisst und natürlich auch sonst. Takuskanskan erwartet euch schon. In Dankbarkeit.


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