Mit dem Körper tanzen

Mit dem Körper tanzen

Eigentlich wollte ich dem Blog den Titel Körperarbeit geben und darin meine aktuellen Erfahrungen beschreiben, nun fällt es ja aber vielen schwer, das Wort Arbeit, und so versuche ich es mal mit der Leichtigkeit, die wir dem Tanzen zuschreiben. Allerdings bleibt es mir wichtig zu betonen, dass mir die Ernsthaftigkeit, die ich mit dem Wort Arbeit verbinde, auch im Tanzen am Herzen liegt. Wobei der Ernst auch schon wieder von manchen nicht geliebt ist.

Wenn ich meinem Körper begegne, dann brauche ich ein gewisses Maß an Ausrichtung, an Focus, ich will nicht gestört werden, mich voll und ganz auf mein Körpererleben konzentrieren können, das trifft sich bei mir mit dem Tanzen. Es braucht den FLOW. Nun bin ich schon weit dahinein gerutscht im Schreiben, was mir wichtig ist und meine Hinwendung zu meiner Körperlichkeit von meinem Alltagsbewusstsein unterscheidet.

Ich stehe auf, mache mir etwas Tee, knote das Moskitonetz zusammen, mache das Bett, putze den Boden, lege meine Unterlage darauf und folge dann meinen Bewegungsimpulsen. Im Augenblick lege ich mich flach auf den Bauch und strecke die Arme nach vorne. Spüre den Atem. Strecke mich zu den Fingerspitzen.

Klar, habe ich viele Jahre Körperübungen studiert und da kommt bei mir immer ein Impuls, was bei Beginners nicht so sein muss, da erinnert eine dann vielleicht irgend eine Anleitung, das ist total ok. Auch ich erinnere meine Polyarthritis Diagnose, Handgelenke, Armgelenke, Beingelenke, Fußgelenke. Ich strecke mich, weil ich weiß, dass ich in meinem Alltag viel zu wenig Streckung habe und viel zu viel Krümmung, Biegung … . Das muss ausgeglichen werden.

Noch vor ein paar Jahren war es in der Körpertherapie en vogue, sich auf die Knochen zu konzentrieren, heute geht es um die Faszie, das Bindegewebe, egal ob Rücken- oder Knieschmerzen. Erst mal das zusammengezogene Gewebe wieder ausdehnen. Heraus aus der Sitzposition, der Tippposition, change position.

Im Laufe meines Lebens habe ich viele Körperübungen für die Hände, die Finger, die Ellbogen, die Schultern kennengelernt. Ich kann die Muskeln und Sehnen meines Oberschenkels vor mir sehen, wie sie im Anatomieatlas dargestellt sind … . Was mich heute in der Körperarbeit beglückt ist, wenn ich die feinen Zusammenhänge spüre, z.B. zwischen Knie, Oberschenkelmuskulatur und Fußgewölbe, wenn ich auf dem Bauch liegend meinen Fuß an den Knöcheln so fasse und zusammendrücke, dass sich die Knöchelchen stärker berühren, dadurch entsteht wieder ein Gewölbe, vom kleinen Zeh bis zur großen Zehe und ich kann auf einmal wahrnehmen, dass dieses Gewölbe mit einem Muskel- und Faszienstrang in meinem Oberschenkel, hinten, kurz über dem Knie korrespondiert.

Vielleicht, denke ich, hat das durchhängen des Fußgewölbes mit den Knieschmerzen zu tun. Vielleicht, so hoffe ich jedenfalls, ist das ein Schritt heraus aus der Polyarthritis Diagnose.

Ich bleibe daran, weil eine kontinuierliche Hinwendung zum Körper mich weiter bringt, das weiß ich aus Erfahrung, und ich hoffe, wenn ich das schreibe, dass ich auch andere dazu ermutigen kann in diesen faszinierenden Tanz mit dem Körper einzutreten. Neugier genügt.

1Kommentar
  • Ilona Ördög
    Antworten
    Veröffentlicht am13:24, 10. Februar 2020

    Liebe Gabriele,
    vielen lieben Dank für deinen Text.
    Ich finde ihn sehr inspirierend und es ist immer gut “Erinnerung aufleben zu lassen”, und den Weg über die Körperarbeit und das Tanzen mit Leichtigkeit zu nutzen, um den Zugang zum Körper wiederzufinden.
    Immer wieder aufs Neue!
    Herzliche Grüße
    Ilona

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