Brasilien 2019/2020

Brasilien 2019/2020

Am 22.11.2019 habe ich mich auf den Weg gemacht, nachdem wir ein glanzvolles Wochenende mit Gisela Notz und den Wegbereiterinnen ( Mathilde Jacobs und Whina Cooper) ihres Kalenders 2020 in Inzmühlen getanzt hatten. Ein Satz war für unser diesjähriges Wort und Tanz Projekt zentral.

Men come out of women, all men, never mind who they are, the King, the Governors, the big Chiefs – everybody. They all come out of a woman. Without women they wouldn‘t even be alive. Whina Cooper

Seit dem Existieren unseres HKIT Artist in Residenz Projekts auf Morro de São Paolo habe ich diese Reise schon oft gemacht. Der Flug über den Atlantik gleicht für mich einer Zeitreise in eine andere Welt und müsste ich nicht nach dem Rechten schauen würde ich den Aufforderungen zum Klimaschutz folgen und keine Fernreisen mehr unternehmen. Ich mache mir so meine Gedanken zu meiner Energiebilanz. Was sind drei Monate nicht heizen müssen im Winter gegen eine Fernreise?

Wie immer komme ich tief in der Nacht in der einstigen Hauptstadt Brasiliens, in Salvador da Bahia, an und werde von meinem Hotelmanager mit dem Wagen am Flughafen schon erwartet. Dieses Mal ist mein Koffer in Lissabon hängen geblieben zum Glück hatte ich die Zahnbürste und ein Nachthemd im Handgepäck, leider kein Sommerkleid.

Die Fotos oben zeigen erste Impressionen am folgenden Tag. Es ist Vorsommer und immer wieder regnerisch, so bei 26 Grad. Das macht das Ankommen angenehmer. Ich verbringe zwei Nächte in der zerbröselnden Barockstadt mit ihrem ganz besonderen kolonialen Charme zwischen prunkvollen Kirchen und Palästen und Sklavenmarkt, zwischen Reichtum und bitterer Armut, die die Kinder besonders trifft. Am Sonntag ist in Gantois Terreiro ein Fest zu Ehren Oxums mit Tänzen der Orixais.

Mein Koffer kommt in aller Frühe an, so dass ich gerade noch den Katamaran im Hafen, um 9 Uhr, erreiche und zwei Stunden später auf der Insel lande. Das Meer war sanft. Ich werde von unserem House Keeper am Landungssteeg abgeholt und mit einem herzhaften und landestypischer Bohnengericht verköstigt.

Jetzt bin ich angekommen, schaue mir die Pflanzen im Garten an, die Spuren vom Einbruch vor ein paar Monaten und bin froh, erst mal Zeit zu haben zum Ankommen. Langsam stellt sich meine innere Uhr um auf vier Stunden später. So lange braucht die Sonne von Deutschland bis Brasilien über den Oceano Atlantico.

Was mich berührt hat sind zwei Begegnungen. Die eine gestern, ein Niko, vor der Terrassentür. Ein gestreiftes Äffchen in den Papeiabäumen. Es schaut, vom Knabbern an einer saftigen Papeia, auf, als ich aus der Tür trete. Unsere Blicke treffen sich. Das trifft mich ins Mark. Natureza.

Die andere Begegnung war in Salvador. Ein tanzender Derwisch. Er dreht sich, in einem fliegenden, gedämpft roten Kleid unter einem geräumigen weißen Sonnenschutz neben einer großen schwarzen Musikbox, im Kreis. Ich überquere den Praca de Zee und lese das Schild, das er an die Musikbox geklebt hat. Da steht, Jesus ist der einzige Ausweg.

Ich bin in Brasilien angekommen. Bem Vindo.

4 Kommentare
  • Sylvia
    Antworten
    Veröffentlicht am20:08, 26. November 2019

    Liebe Gabriele,
    Vielen Dank für die Impressionen in Wort und Bild! Du schreibst immer so schön anschaulich, da bin ich gleich mit auf die Reise gegangen😊.
    Und was für ein herrlicher Regenbogen!

    Hoffentlich hast du inzwischen deinen Koffer bei dir und kannst das warme Wetter in luftiger Kleidung genießen !☀️

    Herzliche Grüße
    Sylvia

  • inge wolter
    Antworten
    Veröffentlicht am13:28, 28. November 2019

    liebe gabriele,am geburtstag meiner tochter hast du deine reise angetreten,und ich war bei ihr in kiew um ihren 25. zu feiern.eine berührende reise,zumal die gedenkfeiern zum maidan-die revolution-begonnen hatten…jeder tote mensch einer zuviel! frei zu sein wünscht sich jeder mensch,frei und verbunden miteinander,überall auf der welt…wie gut,dass wir mit HKIT den finger in die wunden legen,liebevoll zwar,aber nicht wegschauen.ich grüsse dich herzlich aus basel,bis irgendwann im nächsten jahr inge

  • Renate Barbara Balzer
    Antworten
    Veröffentlicht am11:02, 30. November 2019

    Tanzendes Ankommen für Dich, liebe Gabriele in der fernen Welt, auf dem wunder-vollen Fleckchen Erde, wo du grad bist:-)
    Habs gut…
    Herzliche Grüße über die Nordsee zu Dir nach Morro,
    von Renate:-)

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