Eine intensive Einzelarbeitsphase liegt hinter mir und die Frage, was macht HKIT so besonders in seiner Wirksamkeit?

Therapie im Sinne von Psychotherapie wird nach Dorsch (1992) als „Behandlung mit Hilfe der zwischenmenschlichen Kommunikation“ definiert. Zitiert nach Thomashoff, Psyche und Kunst, S 133. Nun ist HKIT ja nicht Psycho- sondern Tanztherapie, also müsste hier noch eine Definition von Tanz her. Ich zitiere mal mich: Tanz ist gefällige Bewegung, nach Musik, im Stehen. Mit diesem Tanzbild war ich ausschließlich konfrontiert als ich in meinen Abendkursen mit den HKIT in Kontakt kam. Damit fing alles an, mit der Dekonstruktion dieses Tanzbildes und auch der Dekonstruktion von Dorschs Therapiedefintion.

Dabei machte ich mit den Menschen, 99,9 % Frauen in den HKIT, erstaunliche Erfahrungen in meiner tänzerischen Arbeit. Tanzen ist sich selber Bewegen und nicht behandelt werden. 80% der zwischenmenschlichen Kommunikation läuft nonverbal ab.

HKIT da geht es also um Selbstwert und Selbstermächtigung und um Selbstheilungskräfte. Kant nennt es, das Heraustreten aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit. Wobei ein kleines Mädchen, das der sexuellen Gewalt seines Stiefvaters Abend für Abend ausgesetzt ist, frei von Schuld ist. Kluge Sprüche helfen in der Begleitung von Menschen wenig weiter.

Was aber dann? Die Untersuchungen von Tschacher u.a., siehe hier im Blog, zeigen, dass das was wirkt in der Psychotherapie zu über 50% in der Beziehung KlientIn/TherapeutIn zu suchen ist. Die Methoden sind nicht so wichtig. Bleibt die Frage nach der therapeutischen Beziehung in den HKIT.

Wir sprechen miteinander in der Tanztherapie, wir machen zusammen Körperarbeit und Atemarbeit, wir bewegen uns zusammen, wir tanzen. Hier kommen die Spiegelneuronen ins Spiel und die wertvolle emotionale Verbindung, die sie herzustellen vermögen. In Dancing Dialogue praktizieren wir künstlerisch, was die Neurowissenschaftler als Kommunikationsfenster und Lernfeld entdeckt haben und weit über die verbale Kommunikation hinaus reicht. Hier finden wir die Grundlagen der tanztherapeutischen Beziehung HKIT.

Wir behandeln nicht sondern wir tanzen zusammen, dabei ist der Körper der Tanztherapeutin ein offenes Buch und nicht nur der der Klientin wird gelesen. Es geht um Ehrlichkeit. Hier kommt der Atem ins Spiel, als Motor, als Ausgangspunkt unserer Bewegung, die Atembewegung.

Die Atembewegung führt uns in den HKIT (AATINI) in einen tiefen Entspannungszustand, vergleichbar mit dem der Hypnotherapie, nur eben selbstinitiert und dynamisch. Bis zu unserem 6. Lebensjahr bewegten sich unsere Hirnwellen hauptsächlich in solch einem Delta- und Thetabereich. Wie ein Schwamm nahmen wir unsere Umwelt, unsere Eltern auf und strickten so unser Programm fürs Leben. Das Unterbewusste, das bis an unser Ende wirkt. Kehren wir in der Tiefenentspannung in diese Bereiche zurück können wir uns neu orientieren und uns von alten Glaubensmustern, die unser Leben behindern, befreien.

Da geht es in Körperarbeit und Tanz um tiefe Gewebearbeit, bis in die Zellmembranen hinein, ganz im sensomotorischen Raum unseres frühen Weltverständnisses. In den HKIT folgen wir einem Tanzverständnis, das weit ab liegt von gefälligen Bewegungen …, wir treten mit HKIT ein in heilsame Tanztraditionen, von denen Alexis Zorbas spricht, wenn er sagt, wenn es dich zu zerreißen droht, tanze. Da sind die Bewegungen der Tarantate, die Tanzerfahrungen des Candomble, da ist der Haka der Maori. So finden wir entlang der Spiegelneuronen unseren eigenen Tanzweg zwischen Nachahmung und freiem Bewegungsimpuls erfahren wir die HKIT.

In der zurückliegenden Einzelarbeit landeten wir im Haka, im starken Rhythmus, in der kräftigenden Erdung der Bewegungen, in der Kriegerin, die sich für sich selbst einsetzt. Ein langer Weg heraus aus sexueller Gewalt, Einsamkeit und Verlassenheit, Verwirrung und Bodenlosigkeit, hinein in die Geborgen der Gemeinschaft. Auch das ist HKIT. Gemeinsamkeit erleben.

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