Vortrag Ostseedreaming

Vortrag Ostseedreaming

Von Yvonne Middelborg, gehalten bei der Jahrestagung vom Berufsverband DHKIT, Darmstadt, 20.-22. Sept. 2019

Ostseedreaming HKiT

Im Zuge meiner Recherchen und Vorbereitungen auf diese Fachtagung, treibt es mich in assoziative Räume. Ich suche die für mich richtige Art der Wissensbündelung und Erlebensmitteilung. Um etwas konzentrierter zu arbeiten, wähle ich auch die UNIbibliothek Greifswald. Meine Sitzplatzsuche ist gelungen und mein Blick fällt auf die Bücherreihe neben mir. Natur und Umweltschutz. Goldrichtig, das erste Buchband ist DOKUMENTATION WASSER 1980. Die erste unwillkürlich aufgeschlagene Seite: Wirkung von Wasserbelastungen auf Pflanzen, Tiere und Umweltorganismen. Nichts bleibt ohne Wirkung. Alles ist mit allem verbunden. Schmutz rein, Schmutz raus. Alles ist eins. Doch in unserer, nun schon Jahrhunderte, wenn nicht Jahrtausende dauernden Kultur, ist eine der Isolationen, der Fragmentierungen lebendig. Trennungen. Körper von Geist. Mensch von Natur usw. Die Nichtverbundenheit mit der eigenen Körperlichkeit, gekoppelt gegebenfalls an Entwertung u.a. führt auch zur Nichtverbundenheit mit der uns umgebenden Lokalität, Landschaft und andersherum.

Die Dreamingarbeit in den HKiT ist für mich ein besonderes Beispiel dafür, diese Isolation, Fragmentierung, Unverbundenheit aufzuspüren, sie zu lindern und zu überbrücken, abzubauen und aufzuheben wie auch alle weiteren Bausteine des Konzeptes HKiT.

Die Ostsee ist mein Heimatmeer. Hier bin ich aufgewachsen. Der Geruch des Wassers, die Wechselhaftigkeit im Jahreslauf, das Rauschen des Meeres, das Klackern der Steine im Wellengang … das ist der Stoff, aus dem meine Träume.

Die Geschichte meines Körpers ist eine, die eng verbunden ist mit der Ostsee, oder Westsee, wie die Balten/Russen sagen. Sandiges Bettlaken durch die Strandfüsse als Kind und weiterhin, Muscheln in sämtlichen Wohnräumen, Steine an allen Ecken und Enden auch in denen meiner Töchter. Möwenfedern, gesammelt in Vasen, gesteckt ins Haar, gebraucht zum Malen auf der Haut an trägen Sonntagen und sinnlichen Nächten. Meerwasserverklebtes und ausgeblichenes Sommerhaar, Gequassel anderer StrandbesucherInnen, ein Kofferradio hier, eine Dialektsilbe da. Gestreifte, geblümte Windschutze, FKK oder Textil, Luftmatrazen, Wellen, verschlucktes Salzwasser, beeindruckende Wellen, Rettungsschwimmer in Bereitschaft. Algen, Seegras, Quallen und viel Ungesehenes , all das sind Sommerostseeerinnerungen. Vollständigerweise gehören dazu auch erfrorene Finger und Füsse, Eisschollen, grantiger heftiger Seewind. Beissende Sandstürme im Gesicht, Brausen im Ohr, wogende und kreischende Möwen in allen Jahreszeiten. Versunkene Schiffe, ertrunkene Seelen, fleischfressende Bakterien, Müll … Es riecht mal befreiend nach Salz und Himmel mal beklemmend nach ollem Algenfischgemisch.

Doch immer, immer ist da Wind und Horizont. Weite. Am Meer treffen alle Elemente aufeinander. Das Feste trifft das Flüssige, der Himmel die Erde. Hier steht die Zeit still und fliesst doch unbeständig fort.

Den Zugang zu meinen sinnlichen Körpererinnerungen, habe ich mir über viele Jahre bewegend und tanzend zurückerinnert in unter anderem 8 Jahren Ausbildung HKIT am Institut Heilende Kräfte im Tanz in Inzmühlen bei Elke Wagner und Gabriele Fischer.

Ob nun am, im oder auf dem Wasser, der Ostsee, meiner eigenen persönlichen Erfahrung nach, zieht es mich regelmässig an das Meer, an meine Lieblingsorte. Es ist immer gleich und anders. Das Licht, der Wind, die Muster im Sand, die Anordnung der Steine, die Anzahl der Vögel, die Heftigkeit der Wellen, die Menschen. Doch es ist immer, ja, immer eine Erholung, eine Zeit der Regeneration, die ich so nur, trotz meiner Liebe für die Ferne, hier empfinde. Denn durch meine Dreamingarbeit HKiT und Ostseetanzreisen mit Gabriele Fischer, habe ich auch Heimweh kennengelernt, dass ich durch die Fragmentarisierung meines Körpers in meiner Biografie nicht kennen konnte.

“Die Entwurzelung ist bei weitem die gefährlichste Krankheit der menschlichen Gesellschaft.

Wer entwurzelt ist, entwurzelt. Wer verwurzelt ist, entwurzelt nicht.

Die Verwurzelung ist vielleicht das wichtigste und meist verkannte Bedürfnis der menschlichen Seele.” (Simone Weil)

Mich verwurzeln in meiner Heimatlandschaft, Heimatnatur, Heimatwildnis und meinem Heimatkörper.

“Am Meer habe ich das Gefühl von Befreiung  – vom Leben im Landesinneren, von den Ameisenhaufen und dem gurgelnden Moor. Raus aufs Wasser, frei und endlos, rhythmisch und wogend wie die alten Seemannslieder”  Morten A. Ströksnes in DAS BUCH VOM MEER.

Das ist wohl eine der Gründe, dass die Ostsee zu einem riesigen Anziehungsfeld für Einheimische  und Urlauber macht. Seit 2003 kommt es immer wieder zu Sterbefällen durch Vibrionen. Bakterien, die zu Wundbrand und unerkannt zum Tode führen. Eine Ursache ist die zu warme Temperatur des Wasser. Bei über 20 Grad Celcius werden die sonst schlafenden Bakterien wach. Eine mögliche Folge der Erderwärmung. Diese Informationen werden seit 2019 zaghaft veröffentlicht. Eine riesige Branche würde zusammenbrechen.

Vor ihnen liegt das Meer, heisst eine Performance der Leipziger Künstlerin Angelika Warniek.

Vor euch liegt das Meer. Der Horizont, das Wasser, die Wellen, die Weite.

So beginnen unsere Tanztage an der Ostsee im Juni 2019 zur Vorbereitung des Global Water Dance auf Rügen geleitet von Gabriele Fischer. Bereits 2017 initiierte Elke Wagner eine Performance zum GWD an der Seeve in der Lüneburger Heide.

GWD

Die Global Water Dances wurden 2007 das 1. Mal entlang des Mississippi performt.

2010 entstand ein internationales Netzwerk von TänzerInnen und ChoreographInnen mit Sitz in Minnesota, das mit professionellen ChoreographInnen vor Ort zusammen arbeitet.

Das Ziel ist es, die Menschen weltweit auf das Thema der Wasserproblematiken aufmerksam zu machen.

Neben der weltweiten Verschmutzung der Meere durch Plastik und Abwässer, auch auf die Nichtaufstellung von Nutzungsregeln zum Schutz von Wasserkörpern und Ökosystemen,  was u.a. zu Versalzung von Grundwasser führt und Verschwendung von Wasserressourcen. Zum Beispiel braucht es für eine Tasse Kaffee (125ml) 140 l Wasser in der Produktion oder zur Herstellung einer Jeans 11.000 l. (Roxane Bradaczek, UNSICHTBAES WASSER im moritz.magazin)

Für den GWD werden an über 100 Orten in über 50 Ländern alle 2 Jahre an dem gleichen Tag weltweit Performances zu dem Thema präsentiert. Die PerformerInnen aus Tanz und Musik von Laien bis zu professionellen KünstlerInnen  kreieren eine ortsspezifische Choreographie. Bei den GWD angeht es darum, durch das Medium Tanz in einer ästhetisch relevanten und kinästhetisch erfahrbaren Art und Weise auf die vielfältigen Probleme “rund um das Wasser” aufmerksam zu werden, sich eingehend und nachhaltig mit diesem lebensnotwendigen Elixier zu beschäftigen. Es gab drei weltumspannende Performances an jeweils 60-80 Orten am selben Tag: 2011, 2013, 2015, 2017, 2019. Die nächsten Global Water Dances finden weltweit wieder 2021 statt.

In den HKiT wird unter anderem mit dem Dreamingbegriff der Aboriginebevölkerung gearbeitet. Im Dreaming der Aborigine schufen Totemvorfahren die Welt und deren Ordnung. In den Mythen dieser Kultur ist die komplexe Struktur von Leben, Sterben, Natur und Seele geborgen. Der Mythos schafft die Bedeutung eines Ortes, einer Lokalität in der Natur, wodurch diese bedeutsam wird, Sinn erhält und wiederum wird der Mythos bedeutend durch die real existierende Natur. Das Leben eines jeden ist verwoben mit den Mythen, Erzählungen, der Landschaft.

“Die Geologen sagen uns dass die Krater am Mt. Gambir ein Resultat vulkanischer Aktivitäten sind. Doch die Einheimischen erzählen, es war ein Riese, Craitbul, und seine Söhne, die ihn kreierten.” (Nach: A.Roberts und C.P. Mountford. Sammlung von Eingeborenen Mythen)

Es ist auch im Leben der Einheimischen Australiens alles Alltag doch dieser ist beseelt, sinnlich, sinnvoll – gewesen. Bis zur Kolonialisierung. Berry Wendell geht in seinem Essay KÖRPER UND ERDE auf die Schmerzen ein. Schmerzen, die verursacht werden durch Vertreibung, Flucht, Kolonialisierung, Diktatur, Entfremdung. Er spricht von der Isolation des Körpers und seine grausamen Auswirkung auf den Umgang mit Natur, Lebewesen, Menschen.  Auch JAMES COWAN, Verfasser des Buches Aborigine Dreaming, verweist auf das zerstörerische Potential der Entwurzelung:

“Sprache, Mythos, Landschaft sind aufs Intimste ineinander verwoben.. . Indem man einen Teil wegnimmt (…) ist es möglich ihre Realität so komplett zu zerstören, dass sie anfangen sich selbst zu zerstören. (…) Alkoholismus, Krankheit, Depression sind alles Symptome der Selbstzerstörung … unter anderem verursacht durch die möglicherweise irreversible Trennung von dem mythischen Leben. … Durch die Trennung von der heimatlichen Lokalität, dem Land der Mythen, gibt es keinen Zugang zu ihnen durch Ritual oder Zeremonie. Landschaft allein enthält den Schlüssel die verborgene Natur des Dreaming zu verstehen. Denn Landschaft ist die wahre Sprache der Mythen.”

Vor uns liegt das Meer – auch im Juni 2019.

60 min zu Fuss, weniger mit dem Rad, 15 min per Automobil über Plattenwege und später vom Regen ausgehöhlten Feldweg, gesäumt von Kamille, Kornblumenblau, Getreide und Mohn. Vor uns liegt dann der Teil der Ostsee der sich Greifswalder Bodden nennt, am Südzipfel der Insel Rügen. Dünn besiedelt, viel Fläche, viel Weite.

Meine Grossmutter und ihre VorfahrInnen wurden auf dieser Insel geboren und lebten hier. Wie viel andere als Bauern oder Fischer. Sie erzählte mir viel und immer wieder von ihren langen Schulwegen ins Holzpantoffeln über die Felder, kilometerweit, oft schneidender Wind , ohne Unterbüx, nur mit Strümpfen. Vom Überlebenskampf in Zeiten der Krankheit, den kilometerlangen Kutschfahrten, um dann mit der Fähre aufs Festland überzusetzen, in der Hoffnung auf ärztliche Behandlung. Davon, dass sie Milch in Kannen zugeteilt bekamen als Leibeigene bis 1945.

Ich erlebte viele Kindersommer auf Rügen, auf dem Rücksitz eines Klapprades zum Bodden, bis ich blaue Flecken hatte am Mors, in den Baumkronen der Obstbäume, beim Turnen an der Wäschestange und Baden in der Zinkwanne. Auch erinnere ich die angstverzerrten Gesichter bei Gewitter in dem kleinen Dorf mit Reetdächern. Als Stadtkind wusste ich nicht um die Feuerbrunst nach Blitzeinschlag und herumrennende wildgewordene Kühe aus der Viehwirtschaft.

Vor uns liegt das Meer am Gelben Ufer. Ein riesiger Findling erinnert an die letzte Eiszeit, deren letzte sichtbare Zeugen sie sind. Sein Ursprung ist Smaland in Schweden und gehört zur Gruppe der Väkjö-Granite.

Es gibt rüganische Sagen darüber, dass diese Findlinge die Waschsteine Weisser Weiber/Witten Wiwer waren. Angehörige des Alten Volkes der Insel.

Das Verborgene in der Landschaft aufzuspüren durch Tanz nach HkIT ist die elementare Arbeit. Das Ostseedreaming und das Dreaming an der Ostsee zu den GWD 2019 eine Spürarbeit und Spurensuche.

Die Ostsee ist das größte Brackwassermeer der Erde. Ein Binnenmeer, an der tiefsten Stelle 460 m tief, mit einem geringen Salzgehalt. Die einzigen Zugänge zur Nordsee, zum Atlantik, der die Ostsee mit frischem Salzwasser versorgt, liegen bei Kattegatt und Skagerak. Damit der Zufluss klappt und frisches Salzwasser in die Ostsee strömen kann braucht es viele meteorologische Bedingungen, die dies ermöglichen, wie Stürme genügend lange, Wasserstand der Ostsee genügend niedrig usw. Der letzte nennenswerte Salzwasserzustrom erfolgte vor ca. 5 Jahren. Der Erdkörper, der das baltische Meer trägt ist einer mit vielen Bergen, Tälern, Gräben und zerklüfteten Ufern.  Die erste vom frischen Zufluss zu überwindende Schwelle liegt vor dem Fischland/Darss in Mecklenburg-Vorpommern. Diese genannten Bedingungen sind umso wichtiger um zu verstehen, wie schwerwiegend es für dieses Meer ist, menschengemachte Störungen des Lebensraumes Wasser auszuhalten. Und es sind nicht nur die direkten Industrieabwässer. Auch die Medirückstände, die Düngemittel, der Plastikmüll, die Belastung durch Offshorewindparks in Form von Schallwellen etc.

Die Ostsee macht fächenmässig 0,1% des Weltmeeranteils aus. 85 Mio Menschen leben im direkten Einzugsgebiet des Mare Baltikum in den Ländern: Dänemark, Deutschland, Estland, Finland, Litauen, Lettland, Polen, Russland, Schweden. 9e an der Zahl. Meine Heimatstadt Rostock liegt am Ufer dieser baltischen Schönheit – und ihr Gesundheitszustand ist fragil.  Wasser hat viele Eigenschaften. Es bindet, löst, leitet, wandelt seine Form, ist Transportmittel und Reaktionsraum, besitzt Sprengkraft, hölt den Stein. Wasser ist Grundlage jeglicher Lebensform. Durch die Zusammensetzung unseres Blutes, der Beschaffenheit unserer Körperflüssigkeiten korrespondiert unser Körper mit den Meerwassern der Erde. Meer in uns, Meer um uns. Eins. Der Gesundheitszustand der Ostsee widerspiegelt die Notwendigkeit die eigene

Körperlichkeit wieder anzuschliessen an Quellen der spirituellen Nahrung, der Achtung des fragilen Gleichgewichts von Körpererde und Erdenseele. Die Trennung von Körper und Seele aufheben, Verbindungen aufzubauen, die lebenserschaffend sind, (Selbst)Zerstörung immer wieder neu  durch Verwurzelung, Anbindung, Verbindung und Wiederbeheimatung zu mindern, abzumildern und zu heilen.

Heilungsrituale hatten und haben unter anderem das Ziel, Verantwortung zu üben im Umgang mit mir, meiner Körperlichkeit, der Gemeinschaft und  der Landschaft in der ich lebe –  durch Gebete, Lieder, Tänze. Es wird geübt Seele und Körper für das Leben in Verbindung sein, eins sein zu lassen. Verbundenheit, Bezogenheit, Nähe. Gemeinschaft mit sich selbst und dem Umgebendenen. Die Gruppe ist elementarer Heilungsbestandteil vom Ostseedreaming/HKIT Arbeit. Heilung ist nur in Gemeinschaft erlebbar und machbar.  Ebenso sind Rituale Spielraum zu lernen Körper und Seele wieder voneinander zu trennen ohne Gewalt während des Sterbeprozesses. Durch sie gelingt die Verwurzelung in der spirituellen wie physischen Seinsebene und Lokalität im Sinne von Lage und Beschaffenheit des (Lebens)Raumes. Der Stimme des Meeres, den Liedern der Landschaft, den Bewegungen des Raumes auf die Spur zu kommen, sie aufzuspüren und zu kennen ist und wird Teil der Identität. Heimat. Ankommen. Dableiben und verantwortungsvoll einen kleinen Teil dieser Welt bewohnen.

Wie arbeiten wir in den HKiT am Aufspüren des Verborgenen?

GF lässt uns zum GWD 2019 Textauszüge lesen von Elena Ferrante und ihrem Buch : FRANTUMAGLIA.

3 Schlüsselstellen möchte ich exemplarisch heranziehen:

1) Von einer guten Erzählung/einem guten Tanz/ erwarte ich jedoch, dass sie mir etwas über das Heute sagt, was ich aus keiner anderen Quelle erfahren kann, sondern nur aus dieser Erzählung/aus diesem Tanz/, aus ihrer unverwechselbaren Art, Dinge in Worte zu fassen und auf ganz eigene Weise grundlegende Gefühle zum Ausdruck zu bringen.

Im Hier und Jetzt sein, Atem. Mich mit meinem Atem verbinden, mich füllen lassen. Meinen Innenraum sich ausdehnen lassen. In den Dialog gehen mit dem Aussenraum. Den Aussenraum mich berühren lassen. Interaktion, Kommunikation, Bewegung, Tanz.

2) Ich glaube ich habe bereits erwähnt, dass für mich eine Geschichte dann wirklich funktioniert, wenn man das Getöse der Frantumaglia im Kopf hat, die sich gegen alles durchgesetzt hat und nun unaufhörlich danach drängt, Erzählung zu werden.

Hier empfinde ich eine Korrespondenz zu Eduardo Chillida, der gefüllte und der hohle Körper. GF: “Chillida weißt uns darauf hin, dass ein gefüllter Körper, bei ihm Skulptur, bei uns im Tanz, Mensch, in einen anderen Bezug zum Raum tritt als ein hohler Körper. In DD geht es deshalb primär um das Fühlen und Füllen des Innenraums. Wie machen wir das? Über den Atem. Der Atem lässt uns uns fühlen, der Atem füllt uns aus, gelangt an die unbekanntesten Stellen unseres Körpers, in jede Zelle.

Der Atem stellt aber gleichzeitig den Bezug zum Außenraum her, verbindet innen und außen, immer wieder neu. Beziehung und Verbindung. Verbindung, binden, ist mir ein angenehmeres Wort als ziehen, das Band, der Bund, der Verband.”

Das Gefäss überlaufen lassen. Der Tanz mit dem freien Bewegungsimpuls.

3) Beim Schreiben habe ich 2 Ziele, zu erzählen was ich weiss und gleichzeitig zuzulassen dass alles, was ich nicht weiss, seinen Weg in die Erzählung findet

Welche Tools braucht es dafür? Bewegung, Landschaft, Gemeinschaft, Technik, Übung, Atem. Ich als Individuum bringe mein bisheriges Körperwissen, meine erlernten Tanztools, Zugänge zu Bewegung, meine Geschichte in den Tanz und in die Gruppe hinein. Begegne dem Unbekannten, dem Verborgenen und aus dieser Polarität entsteht das, was da kommt.

Durch diese Herangehensweise entwickelt sich im Laufe der Woche eine Verbindung, Verbundenheit untereinander, mit dem Ort, der Landschaft, Pflanzen, Tieren, Farben, der Sonne, dem Wind, dem Regen. Dem Wasser. Auch ein Schmerz und Fragen nach dem warum es so weit kommen konnte, wie sich etwas ändern lässt, um aus der Ohnmacht herauszutreten, die sich da ganz klar und deutlich spüren lässt. GF: “Bewegung braucht Polaritäten. Polaritäten erzeugen Bewegung. Im Wort Bewegung liegt der Weg. Martin Walser sagt: Dem Wanderer legt sich der Weg unter die Füße. Dieses Spiel der aktiven und der passiven Begegnung, ist es, was DD ausmacht. Der Atem ist eine Bewegung. Mit dem Atem machen wir uns auf den Weg. Der Atem ist das Logbuch unseres Weges, unseres Tanzes. Festgehaltener Atem blockiert unser Gewebe, frei fließender Atem erweitert uns, lässt uns die Welt umarmen”

Zum GWD am 15.6. sind wir TänzerInnen HKiT aufgeweicht, eingestimmt darauf, den Moment, das Hier und Jetzt , im und am Wasser zu spüren, hinzuhören, getanzt zu werden und zu tanzen. Es entsteht eine Festlichkeit mit den Fahnenstäben, die unser Tanzfeld begrenzen. Sie korrespondieren stark mit den Markierungsfahnen der ortsansässigen Fischer, wie ich einen Tag später entdecken soll in HGW.

Dass GF diese Vision hat mit Stecken zu arbeiten zu markieren und ich diese selbst erst im Nachhinein erkenne, als traditionelles Fischertool, ist für mich wenig erstaunlich in Hinblick auf die Arbeitsweise und das Grundverständis von Gabriele Fischer und Dreaming HKiT.

Ich persönlich springe zwischen den Welten des Heimischen, der Dokumentatorin, der Mittanzenden. Sobald ich jedoch beginne tauche ich ein in diesen Raum, den Ort, den wir die Tage zuvor als tanzende Gruppe erlebt und mit dem wir uns vertraut gemacht haben. Atem. Um mich?! Sand. Sandspiele, durch die Finger rinnen lassen. Sand schaufeln in meine Schürze. Zum Meer hin robben. Auf dem Weg dorthin Mittänzerinnen. Anhalten. Berühren. Trösten. Streicheln. Lösen. Rollen. Ins Wasser Rollen. Atem stockt, als des kalte Wasser über mich schwappt. Aufrichten. Hineingehen. hineinwaten, hineinwogen. Umspült sein. Das schwere Kleid. Zieht mich nach unten. Wringen und spielen. Es über mich ziehen. Plötzlich befinde ich mich in einer Höhle. Luft füllt den Raum zwischen Wasseroberfläche und Kuppel aus. Ein unglaublicher Sound. Es gluckst und platscht, alles viel lauter als ohne diese Kleiderkuppel. Ganz vertieft, Staunen. Allein. in meinem Tüllunterrock verfangen sich Seegras, Muscheln, Steinchen. Er wogt aufgeplustert und ich staune in mich versunken. Ich bekomme Besuch von einer Tänzerin. Sie kommt mit in die Höhle. Sie singt und staunt, Wow, wie im Tonstudio. Wir hören das Meer und seine glucksende, gurgelnde, platschende, wogende, ständig bewegende Sprache. Hin und her geworfen auf den Knien sitzend unter dieser Kuppel. Öffnung der Kuppel. Das Kleid ausziehen, das schwere, vollgesogene Kleid. Die schwarze Frau in den Sagen und Geschichten der Insel, die in einer Höhle lebt und einen Schatz bewacht. Ahninnen, die sich in ihren schweren Baumwollkleidern dem Meer hingegeben haben. Versunken sind. Verstummt. Ich streife diese Geschichte ab in diesem Tanz heute. Wir lassen uns ans Ufer treiben. Werden angeschwemmt. Mein Tüllrock ist voll besetzt mit Meeresgut und er riecht nach Algen, Fisch und Muscheln. Verbunden und eins geworden. Abschliessendes Hinterherziehen meines Kleides. Liegen lassen. Ausdehen, freuen. Da bin ich. Hier und zu Hause. Die Sonne lugt durch den wolkenverhangenen Himmel. Die anderen Tänzerinnen sitzen zusammen. Nähe. Austausch. Loslassen. Sinken.

Der GWD HKIT ist also keine Performance im Sinne einer vorgearbeiteten Gestaltung. Sondern ein in den Dialog treten können im Hier und Jetzt.

Bei den Aboriginies und vielen anderen Ethnien unseres Planeten, geht der Mensch/die Gemeinschaft davon aus, dass spirituelle und physische Welt eins sind/zusammengehören. Der Mensch lebt in keinem von der Seele getrennten Körper. Mein Körper ist eingebunden in ein Geflecht mit allen anderen Lebewesen und Gestirnen. Isolierung/Zerstückelung oder um mit Simone Weil zu sprechen Entwurzelung führt zu Krankheit/Unverbundenheit/Trennung. Auch nach Wendell Berry bedeutet dies eine Entwertung sowohl des Körpers des Menschen als auch alles anderen Lebendigen dieses Planeten. Dreamingarbeit HKiT als

Beziehung, Verwurzelung, Verbundenheit statt Entfremdung, Trennung, Isolation.

Verantwortungsvoll einen kleinen Teil dieser Welt bewohnen.

Das Heilungstanzritual GWD HKiT als Nachhaltiges Bewegen und Bewegtsein. Weiterforschen, weiterentwickeln und weitertanzen.

In Global Water Dance geht es um unsere Beziehung zum Wasser. In uns und um uns. Ressource des Lebens. Gesine Witt, Meereschemikerin und Tänzerin/Tanztherapeutin HKiT zeigte uns, in welche Beziehung Wassermoleküle untereinander eintreten um flüssig zu werden. Sie sprach über Störungen und was wir tun können um uns die Ressource Wasser zu erhalten.

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