Die Maske ist Bewegung geworden

Die Maske ist Bewegung geworden

Der Maske hängt das Erstarren an, das Unbewegliche, sich von der Maske befreien verspricht Freiheit. Die Maske des Egos herunterreißen, werden, die wir sind. Aber, wer sind wir wirklich?

Es sind die Menschen, die uns lieben oder die uns hassen oder die beide Gefühle gleichzeitig für einen empfinden, die die tausend Bruchstücke zusammenhalten, aus denen wir bestehen.

aus Elena Ferrante, Frantumaglia, S 466, 2019.

Lieben, hassen, zusammenhalten. Bewegungen? Bewegen wir uns mit dem Bau der Maske heraus aus der Erstarrung des Egos? Wieviel Freiheit können wir uns erlauben? Wieviel Bewegungsfreiheit zulassen? Fragen nach unserer Geschichtetheit tauchen auf. Wann wird aus dem Zusammenhalten Erstarrung? Wie zeigt sich sich die Beweglichkeit von lieben, hassen, zusammenhalten in der Maske?

Während des Baus der Maske tauchen neue Erfahrungen auf in der Begegnung von Innen und Außen. Die starren Grenzen bekommen Brüche. Öffnungen schaffen Einblicke. Angedachte Räume lassen sich nicht mehr schließen, verweigern Innen und Außen, laden das Außen ein Innen zu sein. Brüche, brechen, zerbrechen.

Unter allen menschlichen Eigenschaften ist die Zerbrechlichkeit die kostbarste – und an ihr fehlt es nie.

John Berger, in Hier, wo wir uns begegnen, S 220, 2005.

So passiert es, dass wir die herkömmlichen Wege eine Maske zu bauen verlassen und die Maske zur Bewegung wird. Schon während wir sie bauen beginnt der Tanz. Sichtbar, festgehalten, im Formen der Hände, in der Auswahl der Steine, die die Grundlage bilden, in der Berührung des feuchten und kalten Tons, in seiner Erwärmung durch unsere Hände, im Verstreichen der Form, im Belegen mit dem eingeweichten Papier.

Berührungen, vorsichtiges Herantasten an das Maskenwesen und seine Kraft. Bewegung, gespeichert im Ton, in der Form aus Pappmaché.

Bewegung unserer Hände, unserer Seele. Hineinfallen in Träume, kollektive Bewegungen die uns auffangen. Gral, Uterus, das Weibliche. Lehmbauten rund um den Globus von Mali bis New Mexico. Mythen die uns bergen, Höhlen in denen Bären schlafen. Ozeane aus denen Schildkröten an Land kriechen. Bewegung bis zurück zum Geschiebe der Erdschichten unter dem eiskalten Gletscher, tief hineingesunken in das zermalmte Gestein, den Lehm, den Ton. Vulkanschlote, die Gesteinsbrocken durch die Luft schleudern. Fließendes, brodelndes Magma. Urstromtäler. Werden und Vergehen. In Bewegung bleiben.

Die Begabung, Kunst zu schaffen, geht mit dem Wunsch nach ihr einher; sie treffen zusammen ein. John Berger, ebd. S 129

4 Kommentare
  • sylvia borrink
    Antworten
    Veröffentlicht am0:08, 27. August 2019

    Oh Jemine! Jetzt habe ich so viel geschrieben, hatte aber bei der Namensangabe nur “Sylvia” eingetragen. Ist der ganze Kommentar nun im Orbit verschwunden…?

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