Maske und Trance

Als Trance bezeichnen wir in den HKIT einen tiefen Entspannungszustand. Dieser kann durch Bewegung, Rhythmus, Musik, Geschichten und Metaphern, bildende Kunst … herbeigeführt werden. Dabei ist in den HKIT besonders wichtig, dass jede Tänzerin darin geschult ist, tranceinduzierende Methoden im Tanz selbständig anwenden,lenken und beenden zu können und nicht in irgendeine Form von Abhängigkeit von Trancegebern zu geraten. Die Zeit ist vorbei, nach jemandes Pfeife zu tanzen.

Dies ist besonders wichtig, denn im Tiefenentspannungszustand steht die von unserem Bewusstsein ausgeübte Kontrolle mehr im Hintergrund. Das ist wichtig, damit sich neue Zugänge zu unbewussten Prozessen öffnen können. Im engeren Freudschen Sinne ist das Unbewusste Sitz von Abgelehnten und Verdrängten Persönlichkeitsanteilen, die wir umgangssprachlich als Schatten bezeichnen. Für uns in den HKIT ist das Unbewusste darüber hinaus jedoch ganz besonders eine unerschöpfliche Quelle unserer Kreativität und Ressourcen.

Zitat Elena Ferrante, Frantumaglia S 451

Die Wunden, die das Leben einem zufügt, sind unheilbar, und man schreibt immer wieder darüber, in der Hoffnung, früher oder später in der Lage zu sein, eine Geschichte zustande zu bringen, die ihnen endgültig Rechnung trägt.

Im Tanz zeigt sich dieses immer wieder darüber schreiben in Bewegungsstereotypen, Bewegungsblockaden, Bewegungserinnerungen. Die Hoffnung, sich weiter bewegen zu können, sich darüber hinaus bewegen zu können trägt uns darin, es immer wieder zu probieren, den Wunden Rechnung zu tragen, bis die verschlossenen Türen aufspringen und sich unsere Geschichte, unser Tanz, auf der Basis unserer Geschichte, weiter entwickeln kann.

In der Arbeit mit der Maske, in der vergangenen Woche, boten sich uns viele Möglichkeiten von Tranceerfahrungen. Da war zunächst der Ton, die sinnliche und motorische Erfahrung den Ton in den Händen zu spüren, ihn zu bearbeiten, zu formen. Da war die Körperarbeit, der Tanz, da waren die Erfahrungen in der Natur und der Austausch mit den anderen Teilnehmerinnen, da war der Raum, den die Tanzheimat bietet.

Alles zusammen bewirkte eine ganz besondere Form der Tiefenentspannung. Zugänge zum Unbewussten. Abgelehnte und verdrängte Anteile. Ressourcen. Kreativität. Neue Zusammenhänge konnten sich zeigen. Neue Verbindungen entstehen.

Auffallend für mich waren Neuinterpretationen von Maske. War Maske seither ein sich Verbergen, Unsichtbar werden, so zeigen sich in den Masken dieses Seminars Risse, Durchlässigkeiten, Vielschichtiges, Durchsichtiges. Maske verliert Starre, Erstarrung und wird zur Öffnung. Wandlung, im Begriff des Werdens aber auch Vergehens. Kreisläufe des Lebens werden sichtbar. Offenheit bis hin zur Befreiung. Metamorphose.

Diese tiefen Seinserfahrungen in der Gruppe werden uns noch lange bewegen. Da sind die individuellen Prozesse die sich zusammenfügen zu einem Gesamtkunstwerk im gemeinsamen Tanz mit der Maske. Von der Geburt der Masken bis zur Totenmaske, bis zum Totentanz. Hier liegt die kollektive Mythe unserer gemeinsamen MaskenTranceTanzReise über den Bau der Masken, über Körperarbeit, Musik und Tanz. Unser Maskentanz wirft die Fragen nach Leben und Tod, nach Wachsen und Vergehen auf, bindet uns ein in den Kreislauf des Lebens.

Schauen wir, wie sich das im neuen Jahr weitertanzt. Gäste sind uns willkommen. Hier die angedachten Termine 2020 für das Fertigstellen der Masken und das Maskentanzritual: 31.3.-5.April 2020 und 18.-23. August 2020. Merkt sie euch vor. Ihr versäumt etwas wichtiges, wenn ihr nicht dabei seid.

2 Kommentare
  • Renate Barbara Balzer
    Antworten
    Veröffentlicht am7:23, 26. August 2019

    Wie schön, dich zu sehen mit deiner Maske, liebe Gudrun…die Anfänge deiner Masken-Gestaltung habe ich ja noch live miterlebt.

    Liebe Freyja, wie transportierst Du deine Masken-Höhle nach Hause? Sehr interessant, was Du da kreiert hast.

    Herzliche Sonnen-Grüße aus Aurich an Euch alle
    RBB

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