Maske, 13.-22. August 2019

Maske, 13.-22. August 2019

Am Anfang steht die Begegnung der Hände mit dem Ton, die Berührung. Wenn der Ton anfänglich auch kalt, hart, zäh und unnahbar erscheinen mag, so kommt er uns im Laufe der Berührung doch mehr und mehr entgegen, wird warm und geschmeidig aus der Begegnung mit unseren Händen heraus könnte ich sogar sagen lebendig.

Eine Maske aus Ton zu bauen führt uns in frühe Berührungserfahrungen zurück, eine Zeit in der wir noch keine Worte hatten die Dinge zu benennen und sie uns damit Untertan zu machen. Wir treten ein in ein egalitäres Berühren und Berührt werden. Wir verlassen das Reich der Interpretationen und Bewertungen, werden ein in den Fluss der Zeit, des Raums, dem Kommen und Gehen von Rhythmus und Form.

Ein Tanz entsteht an der Grenze zwischen Händen und Ton, kleine, kleinste Bewegungen, große Schwünge, wir folgen unserer Lust an Berührung im Spiel, grenzenlos, unendlich im Freien Bewegungsimpuls. Bis, ja bis wir erfüllt sind vom Fühlen und Folgen und wie von selbst sich ein Focus einstellt: vertieft, hervorhebt, wiederholt, den ganzen Körper mit einbeziehend. Im Fühlen und Füllen der Hand, der Oberfläche kommt uns Landschaft entgegen, Täler und Seen, Bergnasen und Flussarme, unsere Hände gleiten über den Ton, wir erinnern die Form eines Mundes, eines Ohrs und folgen dem weichen Ton hinein in Form und Gestalt der Maske.

Im Tun zwischen Spüren und Bewegen empfinden wir Körper, Gefühle. Trauer und Freude, entstehen aus Ton, Worte und Sprache, Bilder und Symbole. Unsere Maske entstanden aus der Berührung tritt in Dialog, wird zum Gegenüber, schaut uns an, beginnt zu sprechen, entfaltet ein Eigenleben. Ein Gesicht noch völlig frei von Kontur, eine Mulde als Auge, eine Ausstülpung als Ohr, ein Bergrücken dort wo die Nase werden könnte, eine im Werden begriffene Form steht gleichwertig neben einem Nashorn mit zwei Hörnern, einer Milchstraße oder einem feuerspuckenden Drachen. Masken.

Bevor wir den Ton mit Papier kaschieren und die vielen Schritte bis zur fertigen Maske tun, ist das Maskenwesen bereits da, entstanden im Zwischenraum von berühren und berührt werden von spüren und bewegen, im Tanz der Hände mit der Erde öffnet sich der Begegnungsraum. Dieser Erfahrung folgen wir bis in den Maskentanz hinein. Immer wieder geht es im Tanz mit der Maske darum, uns mit den verschiedenen Räumen unseres Seins zu verbinden, den bewußten und den unbewussten. 

Darin liegt die Faszination des Maskenbaus und des Maskentanzes, in der Integration unserer verschiedenen Ebenen zu Sein. Die ersten acht Tage MASKE wollen wir ganz eintauchen in dieses fantastische Geschehen, uns Zeit lassen und genau hinschauen, wo wir in Körperarbeit und Tanz HKIT ähnliche verbindende Erfahrungen machen in der Begegnung mit anderen Wirklichkeiten. Bevor es dann weitergeht und das Maskenwesen Farbe bekommt, Haare und ein Tanzkleid, wird noch ein bisschen Zeit ins Land gehen, denn auch das will gefühlt und bewegt werden, gefüllt, bevor wir dann mit der Maske tanzen und ihre Kräfte erleben können.

In der Gemeinschaft eine Maske zu bauen verbindet uns und die Masken miteinander auf besondere Art und Weise in einem heilsamen Geschehen. Schon alleine dieser Erfahrung wegen möchte ich diese Maskenbautage nicht missen. Sie helfen uns Klarheit zu finden, bei anstehenden Entscheidungen eine Ausrichtung zu finden, zu sehen, zu spüren, wo es lang gehen soll, bis dahin, dass der Dialog mit der Maske unsere Selbstheilungskräfte wecken kann, indem sie unsere Schatten- und Sonnenseiten zusammen bringt.

Ich werde nächste Woche zu einer Handeloher Lehmkuhle fahren um den Ton für uns auszuwählen. Darauf freue ich mich besonders, kein Ton aus der Packung sondern wirklicher Heideton, was für ein Geschenk. Es gibt noch viel vorzubereiten, eine lange Todoliste wartet auf mich. Euch bitte ich schon mal nach Wolle, Fell, Bast Ausschau zu halten für die Haare Eurerer Maske, vielleicht kommt Euch ja schon was entgegen, spricht Euch an? Ihr könnt auch nach Stoffen oder Kleidungsstücken für das Maskenwesen schauen. Manchmal kommen mir auch Farben, Strukturen entgegen über die ich in die Wirklichkeit der Maske einsteigen kann, wie ein Astloch in einer alten knorrigen Weide, oder das Türkis des Pullovers einer Kollegin. Im Nachhinein erkenne ich oft, dass die Maske, schon lange bevor sie tatsächlich gebaut habe, da war. Viel Vergnügen beim Aufmerksamsein.

Ich freue mich auf die gemeinsame Zeit, Musik, Tanz und Gesang. G.F.

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