Beziehung und Bewegung

Beziehung und Bewegung

Beziehung und Bewegung

Keywords

Naß – trocken

Spüren

Wahrnehmen

Fließen

Lebendig

Blockieren

Verbinden

Potenzieren

Tanzen

Gestern erzählte mir eine Kollegin von einer Klientin die alles in ihrem Körper spüren kann und gleichzeitig hat meine Kollegin bei ihr den Eindruck, dass sie gar nichts wahrnimmt. Was für ein Widerspruch? „Ihr fehlt die Bewegung“, sagt meine Kollegin, „spüren alleine ist es nicht, es braucht die Bewegung.“

Mir fällt ein, dass der sensomotorische Raum, also dort wo wir das Spüren, das Fühlen ansiedeln, nicht nur die Wahrnehmung über die Sinne meint, sondern, dass da das Wort motorisch, also, von den Sinnen aus bewegen, dazu gehört. 

Das Baby liegt nach der Geburt auf dem Bauch der Mutter, es riecht die Brust, die Milch, das ist der Auslöser für die Bewegung. Das Baby bewegt sich auf die Brustwarzen zu um zu trinken. Geruchssinn und Bewegung stellen also eine Beziehung zwischen Kind und Mutter her. Sensomotorischer Raum pur. Ausdruck von Lebendigkeit.

Gerda Boysen sprach von „trocken“, wenn Klientel von traumatischen Erfahrungen sprach ohne dabei gefühlsmäßig beteiligt zu sein. Sie sah es als Aufgabe in der Therapie an, von diesem „trockenen“ Zustand in einen „naßen“ Zustand zu kommen, also in das gefühlte, lebendige Erzählen und Erleben einer Verletzung als erster Schritt auf dem Heilungsweg.

„Leben vollzieht sich in wässriger Lösung,“ sagte mein Bio-Lehrer Herr Rüdiger gerne. Ich hab mir diesen Spruch jetzt 50 Jahre gemerkt und er fällt mir immer wieder in passenden Momenten ein. Leben, Lebendigkeit hat mit Wasser, mit Fließen zu tun. Wenn Wasser fließt bewegt es sich, wenn die energetische Flüssigkeit im Körper staut, die Membranen dicht machen, sprechen wir von Blockaden. 

Das Trockenlegen von traumatischen Erfahrungen hilft uns, das Erlebte nicht so nahe an uns herankommen zu lassen. „Wasch mir den Pelz aber mach mich nicht nass.“, dieser Spruch gehört in diese Erfahrungsecke. Sag mir Bescheid, aber so, dass es mir nicht weh tut. 

„Nass werden“ heißt, wir kommen in Bewegung, geraten ins Schwitzen, weinen … die Gefühle kommen ins Spiel. Die Gefühle sagen uns, wie wir das Erlebte wahrgenommen haben. Sie sagen uns die Wahrheit.  Gefühle haben Bewegungen. Sie stellen eine Verbindung, eine Beziehung her zu dem, was wir erlebt und erfahren haben. 

Gefühle werden tiefenpsychologisch mit dem Wasser assoziiert.Wasser kann sich in einem See stauen. Wasser kann in einem Fluss fließen. Wasser kann gefrieren … alles Bilder für gefühltes Erleben. Sind wir im Fluss, dann heißt das, wir sind mit uns selbst und unserer Welt in Beziehung. Marshall Rosenberg fordert dazu auf, uns mit dem, was lebendig ist in uns zu verbinden, als Voraussetzung zu einer gewaltfreien Beziehung mit uns selbst und mit anderen.

Beobachtung, Gefühle, Bedürfnisse und Bitten stehen in Beziehung zu einander, diese 4 Schritte der GFK stehen für die verschiedenen Anteile in uns. Wir sehen etwas, wir empfinden dabei etwas, wir gleichen es mit unseren Werten ab und können von da aus in eine gewaltfreie Kommunikation eintreten, indem wir unser Gegenüber in die Beziehung von diesen 4 Schritten einladen und in dem wir uns dabei empathisch, also anteilnehmend, miteinander verbinden. 

In Beziehung treten heißt auch hier, erst mal mit den eigenen Anteilen in Beziehung treten. Verbindung ist das Zauberwort. Dabei fällt mir ein, wie Prof. Dr. Gesine Witt uns bei Global Water Dance gezeigt hat, wie die Wassermoleküle in. Beziehung miteinander treten. Ein dichtes Netz aus H2O Molekülen entsteht dabei und lässt das Wasser flüssig werden, ob wohl es von seiner chemischen Natur her gasförmig sein müsste, wenn da die Verbindungen nicht wären, elektrische Ladungen der H2O Moleküle, die im Modell ihre Arme nacheinander ausstrecken. Wasser ist flüssig, weil es sich verbindet. In Beziehung sein heißt sich aufeinander zu zu bewegen oder weg von einander und alle Spielarten dazwischen.

Verbindung, Bezogenheit schafft, wozu Einzelne nicht in der Lage sind, in der Gruppe können wir über uns hinaus wachsen. In der Gruppendynamik lernen wir, in einer Gruppe addiert sich nicht das Vermögen der Einzelnen sondern es potenziert sich. 

So ist es auch mit den einzelnen Anteilen in uns. Zusammen genommen sind wir mit unseren verschiedenen Anteilen viel mehr als die Summe dieser Anteile, wir potenzieren uns, wenn wir unsere Lebendigkeit zulassen und keine Anteile unterdrücken.

Elke Wagner spricht davon, dass alle unsere Gefühle Ausdruck unserer Lebensenergie sind. Ich sehe eine Schnecke vor mir, ihre Fühler ausstrecken und ihr zurück Zucken bei der geringsten Berührung, und wie die Fühler dann wieder ausgefahren werden. Wieder und wieder, so bauen sich Beziehungen auf, zwischenmenschliche ebenso wie zur Erde, zum Wasser, zum Feuer … . Bewegen wir uns nicht, beziehen wir uns nicht, kann sich auch keine Beziehung entwickeln.

Mit dieser Einladung zur Bewegung treten wir in Beziehung mit uns selber, den eigenen Anteilen und denen der anderen und der Umwelt. Darin liegt die große therapeutische Bedeutung von Tanz. „Komm tanz mit mir“, als Einladung in Beziehung zu treten, sich in Bezug zu setzen potenziert unsere Kräfte.

Wir wissen, dass Menschen die in einem regen sozialen Umfeld in Beziehung stehen länger leben. Tanzen ist Bewegungsförderung und Beziehungsförderung. Im Tanz können wir ausprobieren wie es geht mit Nähe und Distanz. Tanzen bietet ein ideales soziales Trainingsfeld, ritualisiert oder frei, wir haben die Wahl zwischen verschiedenen Tanzformen.

Ich schaue mir noch einmal die Fotos vom Global Water Dance an mit dem Beziehungsblick, das ist spannend, wie gut bei den einzelnen Tänzerinnen zu sehen ist, mit wem oder was sie gerade in Beziehung stehen, während sie tanzen.

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