Beziehung und Erde

Beziehung und Erde

In dem Hinspüren zum Wasser bei Global Water Dance könnten wir wahrnehmen, das Wasser liegt auf der Erde. Wir sprechen vom blauen Planeten, weil ein Großteil der Erdoberfläche von Wasser bedeckt ist. Brigitte beschreibt in ihrem Kommentar das Ausrollen, das Auslaufen einer heranwollenden Welle am Strand, das sie mitnehmen konnte in ihre anschließende Begegnung mit der Großstadt Athen um nicht überrollt zu werden.

Beziehungen zur Erde. Erdung nennen wir das in der Tanzarbeit. Aus dem Flüssigen kommend ist unser erster Irdischer Kontakt der mit der Mutter im Geburtskanal. Hier beginnt sich sensomotorisch unsere Beziehung zur Erde zu formen. Mutter Erde ist also eine ganz konkrete Erfahrung am Anfang unseres Lebens.

Daraus erklärt sich die Grundlegende Bedeutung dieser Beziehung zu allen folgenden Beziehungen, zu unserem Bezug zur Welt. Auf unserer Vorbereitungsreise nach Henry Moore Studios and Gardens im letzten Jahr tanzte FF zu einer „Liegenden“ Skulptur von H.M.. Large reclining Figure, Bronze, 1984. Dabei stellte sie fest, dass es ihr schwer fiel auf den Boden zu kommen.

Es gab keinen geöffneten Weg nach unten, wie sie das von Drehen und Fallen bei den HKIT kannte. Ihr tänzerischer Dialog mit der Skulptur auf dem Hügel machte klar, es gibt verschiedene Arten des Liegens. Liegen ist nicht gleich Liegen. Diese Skulptur legte sich nicht ab sondern drückte sich nach oben, reclining heißt denn auch nicht, liegen sondern sich zurück lehnen. Eine irreführende Übersetzung.

Dieser tänzerische Dialog mit der Skulptur zeigt, wie nahe wir dabei den Gestaltungskriterien des Künstlers kommen über die Annäherung im Tanz und welch wichtige Informationen uns die Beziehung zu dem Werk des Bildhauers geben kann. Was machte er da? Auf jeden Fall stellte er keinen Bezug zur Erde her, wie wir ihn aus der Tanzarbeit kennen.

Geht es vielleicht um die Beziehung des Frauenkörpers zum Betrachter, wie ihn John Berger in seinem Buch SEHEN, rororo, herausarbeitet. Der weibliche Körper als Objekt? Da gibt es noch viel zu forschen in der tänzerischen Beziehung zu den Skulpturen Moores.

Ich kehre noch einmal zurück an den Strand und GWD. Sehe die Tänzerinnen immer wieder auf dem Boden liegen, Kontakt suchen zum Sand, den Steinen. Darin drückt sich auch die Nähe zum Wasser aus, das wie die Körper der Tanzenden auf der Erde liegt. Die Einladung der Erde: ausruhen, entspannen, loslassen. An stürmischen Tagen spürten wir wie das Wasser sich aufbäumte, die Wellen überrollten … auch das tänzerisch nur möglich bei festem Grund unter den Füßen.

Die Sensibilisierung für den Grund, den Boden unter den Füßen ist ein wichtiges Merkmal unserer tänzerischen Arbeit, prägt unseren Tanz. So sprach eine Tänzerin mit mir nach GWD über ihre Begegnung mit Nana am Strand, der Mutter von allen, auch von Jemanja, der Königin der Meere, die natürlich auch da war und gesehen wurde. (brasilianische Orixa)

Eine große Forschungsfrage möchte ich in den Tanzraum stellen, die nach der Beziehung des Körpers zur Erde.

1Kommentar
  • Freyja
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    Veröffentlicht am9:51, 1. Juli 2019

    Das Bild unten ist “Composition”, 1934, Cast concrete, Henry Moore.

    Ja, der Weg nach unten beim Tanz zu der Skulptur war abgehackt, eigentlich kein Weg, vielleicht auch nicht nach unten gerichtet, aber am Ende lag ich trotzdem am Boden

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