Innerlichkeit und Tanz

Innerlichkeit und Tanz

Elena Ferrante, Frantumaglia, Suhrkamp

Frantumaglia, ein seltsames Wort, dem Dialekt in Neapel entstammend – es bedeutet so etwas wie Gewirr – die Mutter der Schriftstellerin benutzte es, wenn sie sich von äußeren widersprüchlichen Eindrücken bedrängt und innerlich zerrissen fühlte. Die Schriftstellerin ringt um die Bedeutung des Wortes und sagt schließlich: 

Die Frantumaglia ist der Teil von uns der sich der Reduktion auf Worte oder auch Formen entzieht. Jede Innerlichkeit ist im Grunde wie ein Magma das unter der Selbstbeherrschung brodelt und es ist dieses Magma von dem wir versuchen müssen zu erzählen.

http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=80203

Trete ich als Tanzende in Dialog mit diesem künstlerischen Statement von Elena Ferrante so führt mich die Frantumaglia in den tänzerischen Dialog mit dem Innenraum. Dabei ist es wichtig, sich im tänzerischen Dialog dem brodelnden Magma im Innenraum zu nähern, das keine Form kennt und keine Worte wohl aber in Bewegung ist, es brodelt unter der Sekundärpersönlichkeit.

Wir nähern uns in DD diesem Gewirr, das Freud das Unbewusste nennt, das Unterbewusste, in dem wir dem Atem lauschen. Dort können wir es brodeln hören, das Magma und dort entspringt die Bewegung, der Tanz immer wieder neu. Von dieser Begegnung im Innenraum erzählt die im Außenraum sichtbar werdende Bewegung im Auge der Betrachtenden.

Kein Wunder, dass DD oft als sehr intim erlebt wird obwohl wir im Tanz keine Geschichten erzählen nimmt im Auge der Zuschauenden die Bewegung einen narrativen Verlauf. Für jedeN ZuschauendeN einzigartig. Die Qualität des Tanzgeschehens hängt davon ab, inwiefern sich das brodelnde Magma im Tanz durch die Oberfläche drücken kann.

Das erklärt, warum wir im DD Studium die ersten drei Jahre uns ausschließlich der Innerlichkeit widmen, um später im Tanz von diesem brodelnden Magma erzählen zu können.

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