Berühren und in Kontakt sein – 20 Jahre DD

Heilende Kräfte im Tanz Blog - Gabriele Fischer > Dancing Dialogue  > Berühren und in Kontakt sein – 20 Jahre DD

Berühren und in Kontakt sein – 20 Jahre DD

DD – Berühren und im Kontakt sein

RBB schreibt in Erinnerung an unseren vergangenen Maskentanz zunächst über ihre Erfahrungen mit dem Bau und dem Tanz der Maske und erzählt dann über den Sinn, den es macht zu tanzen, also mit den HKIT im Gepäck loszugehen in den Dialogischen Tanz hinein, sei es nun im Alltag oder auf der Bühne. 

Manchmal frage ich mich nach dem Sinn. Warum treffen wir uns zum Tanz? Was machen wir da eigentlich? Außergewöhnlich ist das was wir in DD tanzen auf alle Fälle, unser Tanzen entspricht auf keinen Fall den herkömmlichen Tanzvorstellungen.

Andy Goldsworthy spricht in seinem neuen Film, Leaning into the Wind, davon, dass die Kunst uns auffordert andere Wege zu gehen, er sagt, du kannst auf dem Gehweg gehen oder in der Hecke die am Gehweg entlang führt, sagt’s und tut es. Kunst hat die gesellschaftlich und politische Aufgabe die Augen, Ohren, die Sinne für das MEHR im Leben zu öffnen. Alternativen des Seins zu zeigen, aufzufordern aus dem Trott raus zu treten, etwas Neues zu wagen. 

Manchen genügt es, am Sonntag ins Museum zu gehen und zu schauen, zu welcher Sicht der Welt bildende Künstler einladen in ihren Werken, anderen ist das nicht genug, sie beginnen selbst zu malen … . Wir haben uns vor 20 Jahren daran gemacht das Unmögliche zu tanzen. Den Dialog mit dem eigenen Körper und weiter, dem auf dieser Basis möglichen Kontakt von Innenraum und Außenraum. Daraus wurde Dancing Dialogue. 

Für mich ist DD ein politisches Statement zur Demokratie im Umgang mit meinem Körper, mit mir selber. Hinhören, hinschauen … mit allen Sinnen in Kontakt sein mit dem Körper. Der Diktatur des Geistes, des Denkens, die Welt der Gefühle entgegensetzen, die Gefühle in ihrer Körperlichkeit entdecken. „Einmal will ich Lieben, mit meinem ganzen Verstand!“, sagt Barbara Starret in einem ihrer Gedichte.

Mit Herz und Verstand, Körper, Geist und Seele tanzen so dass sich der Körper wohl fühlt, der Geist auf seine Kosten kommt und die Seele baumeln kann. Da bewegen wir uns fernab vom Meanstream: eineR macht was vor, die anderen machen es nach. Hier ist sie wieder meine Frage nach dem, was wir da tanzen in DD, nach dem Sinn.

RBB beantwortet meine Fragen aus ihrer Sicht und vor allem aus ihrer  wöchentlichen Tanzpraxis DD heraus. Was sie schreibt ist ein wertvolles Dokument und ein wichtiges Statement über DIE KUNST ZU TANZEN. 

RBB antwortet meiner E-Mail: 

Was du alles erinnerst! Zerstörung und Wiederaufbau…jaaaaa….ich erinnere mich gut dran….es war gut, wie ich die 2. Maske mit Hilfe aller Frauen doch zu Ende arbeiten konnte…ein echter Transformationsprozess…Um Hilfe bitten und Hilfe annehmen – ohne mich dumm zu fühlen, wie früher in der Schule, wenn ich etwas nicht wusste. Wie viel Heilung ich darüber erleben konnte. WOW…

Wie gut, dass ich alle Masken-Tanztexte von damals in meinem Archiv habe….In dem Maskenbau habe ich wirklich mit Himmel und Hölle Berührung gehabt, wie auch schon bei meiner 1. Maske, der Bären-Maske,  wo ich ordentlich gerüttelt und geschüttelt wurde. Hilft auf jeden Fall, um alte Verkrustungen in Bewegung zu bringen.

Weißt du, unsere DD Gemeinschaft hat mich über die vielen Jahre echt getragen … Boden ist unter meinen Tanzfüßen gewachsen, der mich bis heute trägt. Und in mir haben sich über alle die Jahre meine Innenräume entwickeln dürfen…raus aus den geschichteten Verwicklungen, die mich knebelten. Erst durch den Kontakt zu mir selbst, mich begreifen lernen im wahrsten Sinne des Wortes, mich frei bewegen lernen …mich selbst berühren, weich werden… so schmolzen meine inneren Eisschichten, so dass das Lebens-Wasser wieder zu fließen begann.


Es braucht wirklich Zeit und Frei-Raum…so wie du es uns zu Beginn immer sagtest….”Kümmert euch die ersten 3 Jahre nur um euch selbst!!” Welch eine Erlaubnis war es damals in 2001 für mich…ich darf mich frei bewegen, ohne gemaßregelt zu werden, ohne etwas falsch machen zu können…jede Bewegung ist willkommen…ich darf so sein wie ich bin…das sind für mich grund-bewegende Körper-Seele-Geist-Geschenke, die ich über DD entdecken und auspacken durfte.


Und ich habe super mega viel auspacken dürfen, wenn ich an all unsere Performances denke…WOW… Geschenke des Lebens, die mich bis heute leiten und begleiten. Gemeinsam haben wir DDs das scheinbar Unmögliche möglich gemacht…uns solange bewegt und die Raum-Zeit-Blickwinkel verändert bis wir spüren konnten, was möglich ist, wenn wir uns wirklich echte Gegenüber sind…Energy pur!!!!

So trage ich heute auf meine Weise Dancing Dialogue in die Welt…hier in Aurich im Zwischenraum, der Kunstraum, wo morgen die 3. Vernissage eröffnet wird. Anita und ich basteln an unserer 4. Performance, die wir Ende April tanzen werden. 


Ich habe donnerstags immer frei. So gehen Anita und ich dann immer für 4 Stunden in unseren Tanzraum. Es war heute wieder so berührend für uns, wohin uns der freie Bewegungsimpuls geführt hat. Beginnend mit dem Atmen im Liegen und uns bewusst Zeit nehmen, um so lange zu warten bis wir den inneren Impuls zu einer Bewegung spüren….jede für sich….mit der Zeit wurden die Bewegungen größer, dehnten sich im Raum aus. So begegneten wir uns, eben nicht gemacht, sondern aus der eigenen Bewegung heraus…es kreuzten sich sozusagen unsere Wege. Berührungs-Punkte kristallisierten sich heraus…ganz einfach und natürlich… uns Raum und Zeit lassend…


Am Ende landeten wir in einer Kontakt-Improvisation….und und und….
wir fühlen uns reich beschenkt, was wir da grad erlebt haben…
Getanztes stimmiges Leben in echt und pur…bewusst gespürtes Körper-Erleben, Erkennen, Entdecken, Spielen…

Berühren und im Kontakt sein auf allen Ebenen mit mir und dem anderen Menschen…

Das sind die Zutaten zu einer Zauber-Lebens-Tanz-Suppe, die mega lecker schmeckt…nicht immer gleich, sondern immer anders, je nach der Würze, die uns vom Leben beschert-geschenkt wird. “Die Frage ist: Wovon brauche ich was und wieviel… darin liegt das Geheimnis mit der Aufforderung zu einem neuen Tanz…Darf ich bitten?! … ruft das Leben:-))

Danke von Herzen für unsere viiiilen gemeinsamen Tanz-Ent-Deckungen, liebe Gabriele:-)

1Kommentar
  • Renate Barbara Balzer
    Antworten
    Veröffentlicht am12:12, 7. April 2019

    Als Ergänzung zum Blog -Text: hier unsere Ausschreibung zur Perfomance

    Tanztext Renate Barbara Balzer :

    Performance von Renate Barbara Balzer und Anita Kranz Moser im Zwischenraum – Kunstraum Aurich am 23.02.2019

    Dancing Dialogue Artists®
    Anita Kranz Moser & Renate Barbara Balzer
    BEWEGEN DIE KUNST am Sa. 23.02.2019 – um 13 Uhr
    im Zwischenraum- temporärer Kunstraum e.V. Aurich

    „Malen ist das Ergebnis der Empfänglichkeit der Tinte:
    Die Tinte öffnet sich dem Pinsel; der Pinsel öffnet sich der Hand; die Hand öffnet sich dem Herzen – gerade so, wie der Himmel alles erzeugt, was die Erde hervorbringt: „Alles entsteht im Empfangen.“
    Aus „Gegen die Abwertung der Welt“ (John Berger S. 21 -Zitat Tao Chi- Carl Hanser Verlag -2001)

    Auf unseren Tanz übertragen, heißt es:
    DAS, was zwischen Tänzerin und Gemälde empfangen wird, DAS ist für uns von Bedeutung „ Here is where we meet „
    Hier, in diesem Zwischenraum, treffen sich die Dancing Dialogue Artists® Anita Kranz Moser & Renate Barbara Balzer… empfangen die wild schillerndsten Farben des Lebens in ihren Innen-Räumen, um sie dann auf die Leinwand, die Bühne des Lebens fließen zu lassen…
    …frei…bewegend… bunt…vielfältig… kreativ gemischt…

    „Was sich bewegt, ist weder da, wo es sich befindet, noch dort,
    wo es sich nicht befindet“ (John Berger)

    LEBEN ist zeichnen ohne Radiergummi – Jetzt und unmittelbar…

    TANZEN ist zeichnen ohne Radiergummi – Jetzt und unmittelbar…

    RBB

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