Tanzen und Relativität

Tanzen und Relativität

Wir neigen dazu die Dinge und uns selbst statisch zu sehen. „Warum kann es nicht immer so bleiben? „ „Du bist schön, dick, dünn, sauer, fidel, alt, jung, doof, klug … „ Dabei wissen wir gleichzeitig, dass sich alles um uns herum verändert und wir uns selbst in einem permanenten Bewegungsprozess befinden und damit die Welt eben nur vom Standpunt des Betrachters aus so erscheint, wie der Betrachter denkt, dass sie ist.

Diese Erkenntnis fasst Einstein am Anfang des 20. Jhr. zu seiner Relativitätstheorie zusammen. Die Kunst wurde maßgeblich davon beeinflusst. So malte Picasso 1907 die Les Demoiselles d’Avignon und stellte die Kunstwelt auf den Kopf in dem er Relativitäten im Bild sichtbar werden ließ.

Stimme und Bewegung sind wie Seismografen in der Kunst, sie zeigen uns Relativitäten auf, Bezüge, natürlich nur, wenn wir es zulassen und wenn unser Körper wie eine Stradivari ausgebildet ist das Empfangene in der Stimme und im Tanz in Schwingung zu versetzen. Wobei die Stradivari auch relativ zu betrachten ist.

Vorgestern fiel mir ein brasilianischer Falter auf und brachte mich zum Nachdenken über Stimme und Tanz und wie relativ das doch alles ist.

Dieses Foto zeigt einen Wasserschlauch auf dem ein Falter sitzt. Die Kamera erfasst den Schlauch in seiner Feinstruktur und stellt ihn scharf dar. Der Falter hingegen ist verschwommen. Ich frage mich warum? Er ist in Farbe und Musterung ganz seiner natürlichen Umgebung angepasst, säße er auf einem Baum z.B. einer Palme, ich würde ihn nicht sehen, er würde mit seiner Umgebung verschmelzen. Nun sitzt er auf einem blauen Plastikschlauch und seine überlebenswichtige Maserung, die ein Verschwimmen, ein Verschwinden vortäuscht scheint außer Kraft gesetzt. Weit gefehlt, mein Auge kann ihn zwar klar erkennen auf dem blauen Hintergrund, die Kamera aber vermag er zu täuschen, sie lässt ihn selbst in der fremden Umgebung noch verschwimmen.

Dieses feine Zusammenspiel von Innen und Außen, ist tänzerisch hoch interessant. Was sehen, wir, was nehmen wir wahr? Wie bewegen wir uns? Relativ, dieses Wort, das durch Einstein zu Ehren gekommen ist fällt mir da ein. Tanz in seiner Relation zur Welt.

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