Die Stimme des Meeres

Die Stimme des Meeres

Ich wache auf. Es ist 2 Uhr. Das Meer rauscht. Es ist Flut. Bei Ebbe höre ich das Meer nicht. Was könnte das sein, die Stimme des Meeres? G. schickt mir Fotos von winterlich verschneiten Wäldern, auch ein Video ist dabei. Sie spricht vom Schweigen, von der Stille. Mir fällt auf, wie unterschiedlich diese beiden Worte sind, dabei warf ich sie immer in eine Schublade. Schweigen ist aber nicht Stille.

Schweigen ist Silber, reden ist Gold, sagte meine Mutter. Schweigen macht mir einen Verschluss im Kiefer, schweigen hat für mich viel mit erzwungen, mit Gewalt zu tun, mit nichts sagen dürfen, Paulus: Die Frau schweige in der Gemeinde. Da muss ich als Christin im 21. Jhr. Herrn Paulus energisch widersprechen. So geht das nicht.

Stille dagegen macht mir sofort ein körperliches Gefühl von ausbreiten, von Weite und von Lauschen. G. spricht vom Räuspern der Vögel und macht leise Geräusche. Hauptsächlich höre ich ihren Atem und ihre Schritte, während sie mir die verschneiten Bäume auf dem Display zeigt. Sie spricht vom filigranen Gesang im schweigenden Wald. Ein Ast kracht hernieder. Direkt vor der Kamera.

Es ist so wichtig, dass wir uns Räume für unsere Kunst einräumen, dass wir tanzen. J. Berger spricht davon, dass ein Künstler mit einem Bild sagt: das habe ich gesehen. Was sagt eine Tänzerin mit ihrem Tanz? Das habe ich gespürt? Für mich kommen beim Tanzen alle Sinne mit ins Spiel und eben die Bewegung, also könnte es heißen: das hat mich bewegt aus meinem Hinspüren heraus? Das bewegt mich in meinem Hinspüren? In meinem Tanz zeigt sich meine Resonanz mit der Welt?

Ein Künstler ist kein Schöpfer, sagt Berger, er ist vielmehr ein Empfangender. In diesem Sinne wird der Waldspaziergang von G. zum Kunstwerk, sie empfängt den Wald in seinem Schweigen, seiner Stille, bis hin zum Laut des herunterkrachenden Astes.

Die Stimme des Meeres. Was könnte das sein? Zu Pfingsten treffen wir uns an der Ostsee um der Stille des Meeres zu lauschen und den Lauten der filigranen Stimme des Meeres. Was für ein Tanz?

Was wir hören, sehen, fühlen, riechen, schmecken wird bestimmt von der Gruppe, den Menschen, denen wir uns zugehörig fühlen, wir entwickeln gemeinsam, das, was wir Kultur nennen, bis weit in die Geschichte hinein. Deshalb ist es so notwendig, dass wir uns austauschen, dass wir uns unsere Waldspaziergänge mitteilen, vom Räuspern der Vögel bis zum Herunterkrachen eines Astes. Hier entwickelt sich unser Tanzbegriff, in der Resonanz mit dem Wald aber auch mit den anderen Tänzerinnen.

Marcel Duchamp sagt 1917, wenn ich auf ein Pissouire meinen Namen drauf schreibe ist das Kunst. Da kommen wir her, dieser Kunstbegriff ist grundlegend auch für den Tanz. Wir bestimmen als Tänzerinnen was Kunst ist. Daran gilt es zu arbeiten. Dazu gehört es, unsere Stimme zu erheben ebenso wie uns abzustimmen, auch Marcel Duchamp hatte eine Gruppe von KünstlerInnen um sich.

Yvonne Middelborg macht uns auf einen Termin aufmerksam, an dem es um dieses Finetuning beim Tanzkongress 2019 geht.
https://darstellende-kuenste.de/de/service/nachrichten/1724-tanzkongress-2019-a-long-lasting-affair.html

26.-31. März 2019 treffen uns zum ersten Mal zum FinetuningDD im Jahr 2019

Vom 6.-16. Juni bin ich auf Rügen erst mit Einzelarbeit, dann vom 11.-16. Juni mit DD und Global Waterdance Performance am 15. Juni 2019

Die Stimme gehört 2019 ins Handgepäck der HKIT😁

Keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Kommentar
Name
Email
Website