Die Vorsilbe ver- zeigt meist nichts Gutes an, wie in verstimmen, verstimmt sein, doch bei verstummen wechselt das hohe i in ein tiefes u. Heute will ich von dem Neubaugebiet erzählen, in das sich der Palmen- und Obstgarten um mich im Laufe der letzten Jahre verwandelt hat. Verstummt sind die Zikaten mit ihrem ohrenbetäubenden Geräusch. Weg ist das hohe Fiepen der kleinen Äffchen, mit dem die vorgeschickten Youngsters mit der restlichen Affenbande Kontakt hielten.

Sie schwangen sich, eines hinter dem anderen von Palmwedel zu Palmwedel, räuberten die Nester der Vögel aus und schauten ob die Bananen schon reif sind. Das Geschrei der Vogeleltern und ihre geschickten Ablenkungsmanöver noch in den Ohren erinnere ich das Auf und Ab der vielen Froschstimmen nach dem Regen in den Feuchtgebieten zum Meer hin.

Die Schlangen, die die Frösche anzogen, die Leguane, die Teiju, verstummt, verschwunden für immer. Die Ferienhaussiedlung breitet sich aus. Ich bin glücklich, noch das Davor in den Ohren zu haben. Ich erinnere diesen Einschnitt in die Obstbaulandschaft meiner Kindheit, das Verschwinden des Wiesensalbeis, der großen Spechte … riesige Neubaugebiete, meine Welt begraben unter Vorstadtrasen. In Vals, auf unserer Tanzreise in die Zumthor Therme entdeckte ich die Blumen meiner Kindheit wieder.

Verstummen hat etwas mit Rückzug, mit weggehen zu tun, mit nicht mehr da sein, keine Stimme erhebt sich mehr. Es stimmt nichts mehr und doch werden die Ferienhausbesitzer hier glückliche Tage am Meer haben.

Mangobaum gegenüber

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