Stimme und HKIT

Da fallen mir zuerst einmal meine persönlichen Erlebnisse ein, angefangen damit, dass in den 50iger Jahren die Parole galt, lass Dein Kind schreien, das gibt eine kräftige Stimme, bis dahin, dass in meiner Familie viel geschrien wurde, so dass man es bis zum Bahnhof hören konnte. Ich fand das peinlich und mein erster Kontakt mit freier Stimme in einem Frauenkreis war dann auch sehr ablehnend, ich brauchte 2 Jahre, bis ich meiner Stimme freien Lauf lassen konnte ohne mich an den Stimmen der Nachbarinnen zu stören.

Natürlich übernahm ich diesen freien stimmlichen Ausdruck während der Körperarbeit in den HKIT und merkte schnell, Musik aus der Konserve macht die Teilnehmerinnen stumm. Ich arbeitete viel mit diesen indischen Vokalübungen, die ich in einem Buch zu Sanfter Geburt kennen lernte und stellte fest, dass es vielen Frauen leichter fiel über so eine strukturierte Anleitung in die Stimmarbeit einzutauchen.

Doch dann kam der Hammer, ich vergaß zu Hause komplett mein Musikequipement und so kam es, dass ich mit den Tanztherapieausbildungsgruppen 14 Tage lang ohne Musik arbeitete. Das war in Königshorst im Wendland. Der Segen meiner Vergesslichkeit liegt bis heute über unserer Arbeit.

Ja, es geht, wir können unsere eigene Melodie in uns finden, wir können unseren Rhythmus in uns finden und wir können ohne Musik von außen tanzen. Damit will ich nicht sagen, das ich nicht gerne mit MusikerInnen zusammen arbeite oder mir mal einen Bach auflege. Nein. Es war eine großartige und bis heute tragende Erkenntnis.

Dann kam die Zeit, als Stefka in die Mongolei reiste und von dort Langlieder mitbrachte und Sainko in der Tanzheimat zu Gast war. Das Ober- und Untertonfieber war ausgebrochen. Wir reisten nach Urnäsch und studierten das Zäuern. Marie Boine und das Joiken war angesagt. Das gab einen wahren Schub im Klangvolumen der HKIT und nochmal die Bekräftigung mit der Stimme ins Spielen zu kommen.

Sehr früh lernte ich in der HKIT Arbeit, dass da was dran ist an den Sheldrakeschen morphogenetischen Feldern. Dass sich das einmal erarbeitet überträgt auf die Neuankömmlinge und nicht wieder mühsam gelernt werden muss sondern im Stimmrepertoire abrufbar ist. Ähnlich wie bei den Bewegungen.

Und da sind wir jetzt bei der entscheidenden Frage: Was war zuerst da, die Stimme oder die Bewegung? Für die Auflösung dieses Rätsels wird noch den Nobelpreis vergeben. Diese Frage kommt aus der Körperarbeit der HKIT. Da sind wir ganz nahe beim Atem. Atmest du oder bewegst du dich schon? Atem und Bewegung sind … ja, ich wollte schreiben untrennbar miteinander verbunden, doch ich stockte im Tippen. Weil mir plötzlich körperlich bewusst wurde, dass wir so oft den Atem anhalten wenn wir uns bewegen … dass Atem und Bewegung oft auseinandergefallen sind bei meinen Klientinnen.

Gut, also darum geht es in den HKIT, wenn wir Stimme machen, dass Atem und Bewegung wieder zusammen kommen, miteinander spielen, das wäre eine stimmige Definition von Tanz für mich. In einer atemlosen Gesellschaft eine wichtige Ressource. Welchen Reichtum es da zu entdecken gilt im Spiel mit Atem, Stimme und Bewegung, davon können HKITlerinnen ein Lied singen.

Auf jeden Fall geht es in den HKIT um eine Ermunterung, eine Ermutigung, dem Stimmkanal mehr Aufmerksamkeit zu schenken und das in einer wohlwollenden Gruppe verbunden mit sozialem Lernen. Denn Stimme hat immer mit Stimmigkeit zu tun, mit Ressonanz, mit gehört werden und hören.

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