Jetzt habe ich schon eine ganze Menge Aspekte im Gebrauch von Stimme angesprochen, angefangen mit dem persönlichen Ausdruck von Befindlichkeit bis hin zu sozialen Aspekten wie Zugehörigkeit und Überlebensstrategien. Ich freue mich darauf weitere Einblicke in das Thema von euch zu bekommen.

Interessant wird es, wenn wir uns der Stimmqualität zuwenden. Die leise und die laute, die hohe und die tiefe, die vertrauenerweckende und die bedrohliche Stimme … . Oft ist der stimmliche Ausdruck unbewusst. In vielen Berufen (TherapeutIn, Lehrerin, Polizistin …) aber ist es sinnvoll, sich der Wirkung von Stimme bewusst zu werden. Eine hohe Stimme wird oft als unangenehm empfunden, während eine tiefe Stimme als beruhigend und angenehm erlebt wird.

Meist sind weibliche Stimmen hoch, männliche tief. Woran liegt das? und was steckt hinter den Bewertungen? Ich nehme das Beispiel von zwei befreundeten Theologinnen, die eine bekommt sobald sie auf der Kanzel steht eine hohe Stimme, die andere spricht so leise zu der Gemeinde, dass sie schon in der 3. Reihe von den KirchgängerInnen nicht mehr gehört wird.

Beides empfinde ich als unangenehm, sowohl lauschen zu müssen, wie ein Luchs als auch durch eine hohe Stimme in das Gefühl versetzt zu werden, da ist jetzt aber was ganz bedrohlich. Auch Männer können eine leise Stimme haben, aber eine hohe? Eher selten. Hohe Stimmen, z.B. in einem Chor sind nahezu ausschließlich mit Frauen besetzt, tiefe mit Männern. Welche werden am stärksten gehört, sind am durchdringendsten? Natürlich die hohen. Die Sirenen, griechische mythologische Frauengestalten oder der Feuerwehralarm.

Es gibt Vermutungen, dass die hohen Stimmen der Frauen und die tiefen der Männer nicht biologisch sondern sozial bedingt sind. Nicht gehört werden ist für Frauen seit tausenden von Jahren Gang und gäbe. Wer eine feste Stimme in der Gemeinschaft hat muss seine Stimme nicht erheben. Es ist interessant darüber nachzudenken, wie unsere politischen und sozialen Geschlechterrollen unsere Stimme prägen und eben auch unsere persönlichen Erfahrungen mit Gehör finden und Unterdrückung.

Welche Bedingungen braucht die Stimme eines Jungen, eines Mädchens, um sich voll entfalten zu können? Damit meine ich sowohl das Klangvolumen mehrerer Oktaven als auch eine ober- und untertonreiche Stimme zu entwickeln.

Schon sehr früh machten sich in den HKIT die Stimmen zur Bewegung bemerkbar und wurden die Stimmen der Teilnehmerinnen in der Körperarbeit zu einem tragenden Element. Ich erinnere Hiltrud Bartelworth, eine sehr erfahrende Sängerin, die mich eines Tages auf das Klangvolumen in den HKIT Gruppen aufmerksam machte. Mindestens vier Oktaven, meinte sie anerkennend und das durch AATINI.

Es ist also durchaus möglich, auch noch als Erwachsene die Stimme zu entfalten. Dazu braucht es ein wohlwollendes Klima und eine spielerische Atmosphäre und eben Gemeinschaft in der wir voneinander lernen können und Last but Not least die Integration der Stimme in das Körpersein durch Bewegung. So kann es gelingen in einen lustvollen Umgang mit dem eigenen Stimmvolumen zu gelangen.

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