Flucht ins Autoritäre

Flucht ins Autoritäre

http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=77287

Der Beitrag von 5.2-10.0

Die Leipziger Studie wurde letzte Woche veröffentlicht und zeigt dass die Sehnsucht nach mehr männlicher Autorität, dem big Daddy, alla Trump oder Jair in Brasilien, dass Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und eben Autoritarismus und Gewaltbereitschaft in der Mitte unserer Gesellschaft zu Hause sind und nicht als Randgruppenphänomen abgetan werden können. 

 

Bei der Ursachenforschung zeigt sich die Erziehung als Ursache number one.

Das Kind mit seiner eigenen Meinung respektieren.

Gewaltfreie Erziehung.

Werden in der Studie benannt als demokratische Basiserfahrung in der Kindheit.

 

Da wird es für mich interessant. Ich arbeite mit Menschen und Bewegung und mache ähnliche Beobachtungen in meiner 40ig jährigen pädagogischen Berufstätigkeit. Die meisten, die zu mir kommen sind gewohnt, dass sie gesagt bekommen, wie der Hase läuft. Sich selbst als Autorität für die eigene Bewegung, den eigenen Ausdruck, den eigenen Körper zu begreifen, das ist nicht selbstverständlich sondern eher die Ausnahme. Das wirft ein grelles Licht auf das autoritäre Bildungs- und Erziehungssystem, aus dem wir kommen, bis hinein in die autoritären Strukturen in den Familien.

Auch Studien wie sie Iris Bräuninger in ihrer Dissertation zum Tanzunterricht veröffentlicht hat zeigen, am liebsten wird Vorgegebenes nachgemacht im Tanzunterricht. Freiheitlich oder autoritär? Normalerweise haben wir nicht die Wahl und wollen sie auch gar nicht. Freiheit ist nicht von selbst da, wir müssen sie uns jeden Tag aufs Neue nehmen, für sie eintreten, an ihr arbeiten. Diese Idee lag der Reformpädagogik nach dem Kaiserreich zu Grunde. Was für ein hohes Gut, die Demokratie, wie können wir Lernen demokratisch gestalten? 

Dass diese Frage jeden Tag neu gestellt werden muss zeigt die Leipziger Studie. Demokratie beginnt im täglichen Miteinander. Ich arbeite mit Menschen und Bewegung. Ich suche dabei nach einem gewaltfreien Umgang mit dem Körper und es ist mir äußerst wichtig, die Meinung der Menschen, mit denen ich arbeite zu erfahren und zu respektieren. Aus dieser Einstellung zu einem demokratischen Umgang miteinander entstanden die HKIT und der Tanz mit dem Freien Bewegungsimpuls.

Dabei wurde mir bewusst, dass Freiheit ein Lernprozess ist, dass viele, die zu mir kommen mein pädagogisches know how brauchen um freiheitliche Zugäng zu ihren Bewegungen zu finden. Denn viele finden es erst mal langweilig, sich ohne Diktat zu bewegen. Wie geht das? Woran halte ich mich? Ist das richtig? Da entlang setzt ein langer Demokratisierungsprozess im Umgehen mit dem eigenen Körper ein.

Getragen von Wahrnehmen und Hinspüren über den Atem entsteht unsere individuelle Bewegungskultur. Entsteht Offenheit anderen Bewegungen gegenüber, entstehen gemeinsame Tänze. Das sind spannende Prozesse und zum Glück haben wir Vorbilder wie eine Elsa Gindler, die mit ihrer Körperarbeit bahnbrechendes geleistet hat. Die Leipzger Studie zeigt mir, wie wichtig unsere Arbeit ist, wollen wir auch in Zukunft in Frieden und Freiheit leben und die Flucht ins Autoritäre stoppen.

 

 

 

1Kommentar
  • inge wolter
    Antworten
    Veröffentlicht am15:12, 22. November 2018

    liebe gabriele,vielen dank für dein Statement!!! ich war ja eine alleinerziehende mutter ,was nicht immer leicht war,aber Demokratie ,also Abstimmung über Inhalte unseres alltags war wichtig. zum Beispiel unser Kinotag dienstags,einmal war henrietta dran,dann wieder ich.kleine schritte,lernen seine wünsche zu äussern,und sich auch mal zoffen darüber ohne Liebesentzug,wie ich das noch leider erlebt habe. ganz herzliche grüsse aus basel inge

Schreibe einen Kommentar

Kommentar
Name
Email
Website