Zusammenfassung des 5-tägigen Einzelblocks: „Das Ofenkind“

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Zusammenfassung des 5-tägigen Einzelblocks: „Das Ofenkind“

Abschließend zur vorausgegangenen Doku hier noch ein paar erkenntnisleitende Fragen an meine Klientin und damit die Aufarbeitung der „Body sensations“, wie das so schön im Amerikanischen heißt, in den kognitiven Raum hinein. Erst wenn wir das Erfahrene in Worten mitteilen können, in Gefühlen wahrnehmen und in Symbolen und Bildern immer weiter versprachlichen und abstrahieren können, ist es möglich uns mitzuteilen, mit anderen das Erfahrene auszutauschen und weiter zu bewegen. Dieses Durchlaufen verschiedener kognitiver Stufen sowohl treppauf als auch treppab ist ausschlaggebend für den Therapieerfolg und macht uns zu bewussten und handlungsfähigen Mitgliedern unserer Kultur und Gesellschaft.

G.F.:

Welche Körperebene war für Dich in diesem Einzelblock Ausschlag gebend?

Klientin:

Der Hauptfokus lag auf dem sensomotorischen Raum und seinen Ebenen und den Bewegungen, die sich in diesem Raum finden lassen und frei werden können.

Sehr interessant war, dass mir der sensomotorische Raum auf vielen Ebenen begegnet ist. Ich habe ihn also als keinen einzelnen Raum, sondern eher in ganz unterschiedlichen Körperräumen und Körperebenen wahrgenommen.  Für mich ist er etwas weit Gefächertes oder eine Art körperliche Metaebene innerhalb des Körpers.

Zuerst kam ich über die schmerzende Schulter in meine Gelenks- und Gewebsebenen  und darüber dann in die Auswirkungen auf Füße, Hüfte, Kreuzbein und sehr stark auch die Gehirnebene und die einzelnen Gehirnplatten. Ebenso hat sich auch die Faszienebene immer wieder gezeigt und war zum Schluss über die Nabelintegration als Abrundung sehr gut anzusprechen, wodurch eine tiefere Entspannung und Verankerung stattfinden konnte.

G.F.:

Wo und wie zeigten sich bei dir Blockaden?

Klientin:

Seelisch wie auch körperlich – wobei ich mich sehr klar auf die körperlichen Blockaden konzentrierte wodurch die seelischen Bilder und kleinen Filmchen in Bewegung kamen. Auch die Stockung des Atmens war eine tiefsitzende Blockade, die von Kindesbeinen an Thema war und sich hier nochmal sehr intensiv zeigte. Denn wurde ich von der Therapeutin angefasst, dann stockte kontinuierlich mein Atem!

Angefasst und berührt werden, Nähe erleben ist ein Thema, wodurch in meiner Wahrnehmung tiefe Prozesse anlaufen können, dort, wo körperliche Übergriffe stattgefunden haben. Hier war es für mich sehr wichtig, dass ich Raum bekomme und die Therapeutin sehr sensibel und liebevoll mit mir umgeht und dass sie auch immer wieder aus der Berührung und dem mich Anfassen heraus tritt. So konnte sich mein Körpersystem beruhigen und stabilisieren. Langsam, zart und achtsam ist und war die Lösung bei solchen Erlebnissen.

Das gleichmäßige Kommunizieren mit mir, wodurch ich im Hier und Jetzt bleiben und wahrnehmen kann, machte mir klar, dass das was ich gerade erlebe der Vergangenheit angehört und vorbei ist. Wichtig ist, dass ich das körperlich und seelisch sehen und erleben kann, und begreife, dass es heute noch vorherrschend sein kann, jedoch nicht mehr der Realität und dem Jetzt entspricht.

G.F.:

Welche Rolle spielte die Beziehung zwischen Klientin und Therapeutin im Heilungsprozess?

Klientin:

Nach meinem Erleben ist es von großer Wichtigkeit, dass auch an einem guten Aufbau der Beziehung zwischen Klientin und Therapeutin gearbeitet wird und nicht ausschließlich an dem sogenannten körperlichen Prozess. Gerade bei körperlichen Übergriffen, seelischen Grausamkeiten, fehlender gesunder Elternbeziehung … muss auch das sich Beziehen mit einem Menschen auf nährende und liebevolle Weise erlernt und gefördert werden.

Ich habe dadurch auch gelernt, dass die Aufgabe der Therapeutin es auch ist, einen Beziehungskörper mit der Klientin zu erschaffen, auf den die Klientin im Außen aufbauen und dann auch im Außen nährende und gute Beziehungen finden und aufbauen kann.

Unabhängig davon war es sehr heilsam und wichtig für mich zu wissen, dass ich jederzeit Stopp und Halt sagen darf, mich frei fühlen kann mit dem was ich meine, was mir gut tut oder wie viel ich mir in einer Einzelstunde zumuten oder anders ausgedrückt, wie viel ich erforschen möchte.

G.F.

Was hat das alles mit Tanz zu tun?

Klientin:

Im Tanz will ich frei sein, das tanzen wonach mir gerade der Sinn steht – Bewegung für Bewegung folgen und das Innere nach außen tanzen lassen. Gibt es Unterbrechungen, Störungen oder Blockierungen im Körpersystem dann fließt mein Tanz nicht so frei und bedingungslos, wie ich es gerne erleben würde. Unterschiedliche Gefühle wie allein sein, Wut, Frust, Scham oder mich unsichtbar machen wollen, machen sich dann bemerkbar und lassen sich vielleicht aber nicht in der Weise weiterbewegen, wie ich es mir tänzerisch wünschen würde und wie ich das tänzerisch schon erfahren habe. Will ich also wirklich etwas in Bewegung bringen, dann lohnt es sich meiner Wahrnehmung nach sehr, auf die sensomotorische Raumebene zu schauen und Störungen, Unterbrechungen oder Blockierungen mit der TherapeutIn gemeinsam anzuschauen und liebevoll zu verabschieden. Liebe, Wärme, Zuwendung, Neugier, Miteinander … sind Schlüssel für diese Ebene, um einen Heilungsraum zu öffnen und Heilsames zu erfahren.  

G.F.:

Welche Rolle spielt der sensomotorische Raum?

Klientin:

Durch seine Metaebene und seine Weiträumigkeit ist es möglich gerade über ihn in Mental- und Körperebenen zu kommen, die sich sonst vielleicht gar nicht öffnen würden oder nicht in dem Ausmaß und den Zusammenhängen. Nach meiner Wahrnehmung bringt der Sensomotorische Raum die Sinnesebene und die motorische Ebene wie gleichzeitig in Bewegung und verbindet sie da, wo sie einst getrennt wurden bzw. eine Trennung, Störung oder Blockade entstand. Ein sehr spannendes Forschungs- und Erlebensfeld mit vielen heilsamen Aspekten. Bin sehr beeindruckt von der sensomotorischen Raumebene.

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