Das Ofenkind III – Die Weichen stehen auf „Stopp“

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Das Ofenkind III – Die Weichen stehen auf „Stopp“

Tag 3 – Einzelarbeitsblock zum Inneren Kind und dem sensomotorischen Raum.

GF:

Heute bringt mir die Klientin eine Zeichnung des Ofens in der Zimmerecke, auf dem sie saß, wenn eingeheizt mit Decke unter sich. Der Ofen verschwand, wenn die Zimmertüre geöffnet wurde. Zwischen dem Kachelofen und der Zimmerdecke war nur so viel Platz, dass sie sich gerade noch dazwischen quetschen konnte.

Das hätten wir jetzt geklärt, sie saß nicht hinter dem Ofen sondern tatsächlich auf dem Ofen in der Zimmerecke und hinter der Türe. Die Klientin erzählt mir ferner, dass sie sich durch den Prozess verlangsam fühlt und vieles ihr zu laut ist und zu schnell geht. Ein deutliches Zeichen für eine veränderte Wahrnehmungen, wie sie mit veränderten Bewusstseinszuständen einhergehen.

Wir sprechen ausführlich zu Beginn der Stunde über den sensomotorischen Raum und was das überhaupt ist. Da gibt es die Sicht aus der Pädagogik und Lernforschung nach Piaget, da gibt es die Kognitionswissenschaften und E. Wehling, die zwar nicht sensomotorischer Raum sagen, aber meinen. Ich schrieb im Blog vor ein paar Jahren über Nicolai Friedrich, den Mentalmagier, der sich dieser Erkenntnisse, in seinen Shows, bedient. 

Dann fällt mir im Gespräch noch Betty Edwards ein und ihr bahnbrechendes Buch „Garantiert zeichnen lernen“, in dem sie sehr detailliert beschreibt, wie es beim Zeichnen wichtig ist, die Bewusstseinsebene zu wechseln, aus der Welt der Symbole und Wörter auszusteigen und sich dem sensomotorischen Raum zu überlassen, wollen wir ein Gesicht, eine Landschaft so malen, wie sie sich wirklich in Linien und Flächen vor uns zeigen. Sonst erscheinen wie aus Zauberhand die Symbole für Auge, Nase und Mund eines 2 oder 3 jährige Kindes auf dem Papier, auch wenn wir glauben, wir sind längst den Kinderschuhen entwachsen.

Betty Edwards erklärt wunderbar, wieso Zeichnungen von Erwachsenen oft wie Kinderzeichnungen aussehen und führt uns damit den sensomotorischen Raum ganz konkret vor Augen. Verschiedene Sichtweisen  auf den sensomotorischen Raum, machen uns übereinstimmend klar, die frühkindliche Erfahrungen von Welt haben mächtige Wirkung auf unser Denken und Handeln als Erwachsene, von denen wir oft nichts wissen, bis 95% entscheiden wir uns unbewusst im Alltag. 

Das nützt der Mentalmagier für seine Tricks, aber auch die Werbeindustrie und die Politik. In der Körperpsychotherapie können wir auf der Ebene des sensomotorischen Raums heilende Kräfte finden, die uns ein Mehr an Lebendigkeit bringen. Der Tanz, das spielerische Sein bringt uns in Bewusstseinsebenen, in denen die Auflösung überkommener Muster und Traumata im sensomotorischen Raum stattfinden kann und neue lebendigere Seiten von uns zum Vorschein kommen können, nachhaltig.

Die noch verbleibende Zeit nutzen wir, uns der linken Schulter zu widmen. Die Klientin liegt auf dem Rücken und ich lege beide Hände auf ihre Schultern, die angespannt, 5 cm über der Matratze schweben. Irgendwie passt es so nicht und ich lege die Hände einvernehmlich in den Nacken der Klientin. Der Kopf gerät in den Focus, Schmerzen tauchen auf. Der Schädel fühlt sich gespannt an, wie ein Fußball aus Spannbeton. 

Alleine durch die Berührung schmilzt die Spannung unter meinen Händen, die Beweglichkeit der einzelnen Gewebeschichten am Kopf tritt zu Tage. Sie gleiten gegeneinander.  Nachdem ich einen anfänglichen Impuls gab beginnt die Eigenbewegung. Das zu erleben ist sehr berührend für uns beide. Nähe darf sein. Auch die Schultern entspannen sich in dieser Begegnung mit dem sensomotorischen Raum in der Massage. Damit endet unsere Stunde für heute.

 

Klientin:

Die Zeichnung des Ofens bringt mir den Ofen und das was an traumatischen Erleben dahinter steht, nochmal ganz nah, gleichwohl er auch immer etwas Tröstliches und Geborgenes hatte. Es war warm, geschützt und ich konnte weder rausfallen, noch umfallen, noch geschädigt werden!

Doch scheinbar musste trotzdem in Verbindung mit dem Trost spendenden Ofen und dem Rückzugsort, den er bot, alles auf Stopp, festhalten und nicht mehr Atmen gestellt werden. Der Sensomotorische Raum konnte sich da nicht entfalten weder körperlich, noch stimmlich, noch mental … alles war auf „Halte“!

Wir plaudern munter über den Sensomotorischen Raum, wo er alles zu finden ist, was jede von uns als Sensomotorischen Raum versteht und welche Menschen über ihn schreiben, mit oder in ihm arbeiten, ohne, dass sie es wissen. Spannend wo er alles zu finden ist.

Doch am spannendsten erforsche ich ihn in mir selbst und in meinem Körpersystem. GF schrieb schon wie wir die Restzeit, die uns noch bleibt nutzen und in meinen Sensomotorischen Raum wieder hinab steigen und ganz aufmerksam sind, wo er uns hinführt …

Schulter, Nacken, Kopf und einzelne Gehirnplatten fangen an sich in Bewegung zu setzen und zu arbeiten. Jede ganz in ihrem eigenen Lauf und grundsätzlich gegenläufig und in anderer Geschwindigkeit zu den anderen. Ein unglaubliches Kopfschauspiel, das sich da uns bietet – vor allem mir!

Wir sind erstaunt, berührt und freudig überrascht … das Körpersystem entspannt sich wieder ein bißchen mehr und die Stunde endet und ich verschwinde wieder in der Heide und ihrer bezaubernden Natur …

 

 

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