Das Ofenkind II – vom Bedürfnis gesehen zu werden

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Das Ofenkind II – vom Bedürfnis gesehen zu werden

Tag 2 – Einzelarbeitsblock zum Bedürfnis gesehen zu werden und zum sensomotorischen Raum in den HKIT

G.F.: 

Die Klientin ist putz munter am anderen Tag zu unserer 2. Einzel. Wir sprechen zunächst über die Auswirkungen der gestrigen Stunde. „Nach 20 Jahren Einzelarbeit kann ich mit diesen Tiefen umgehen,“ sagt die Klientin. Die Schulter hat ihr in der Nacht noch sehr weh getan. 

Ich mache verschiedene Vorschläge wie es weiter gehen kann, z.B. tänzerisch, in dem sie in die Körperhaltung des Kindes hinter dem Ofen geht und dort in einen getanzten Dialog mit dem inneren Kind eintritt, oder körpertherapeutisch, indem ich ihre Schulter, die schon viel besser ist als gestern, zwischen beide Hände nehme. Wir sprechen auch über die Bedeutung des sensomotorischen Raums in diesem Prozess. Wie sich in der Haltung des Rückzugs, des völligen Verschließens die Sehnsucht nach gesehen werden ausdrückt, wie sehr es für ein Kind eine Ressonanz braucht zum Leben.

Wir entscheiden uns für das Schultersandwich, die Klientin liegt auf dem Rücken, ich halte ihre linke Schulter zwischen meinen Händen. Ich spüre Kontakt, folge dem Schlüsselbein mit Basic Touch, dem oberen Schulterblattrand. Die Klientin spricht von seitlichen Verspannungen den Kopf hinauf. Sie hatte schon im Vorhinein von einem schmerzhaft verkrampften Scheitelbereich gesprochen und ich habe ihr von früheren Klientinnen und deren Heilungsbildern zu diesem Körperbereich gesprochen, ein Tipi aus dem eine den blauen Himmel sehen kann, durch das Rauchloch im Zelt oben, oder der Schädel, eine Texasblechkaffekanne, deren Deckel sich abheben lässt und so den Scheitelbereich frei gibt.

Weiter spüre ich, die Pektoralismuskulatur ist ein auffällig zusammengezogenes Päckchen. Die K. spricht von Schmerzen in der Gelenkkapsel und wie sich die Berührung an der Schulter überall im ganzen Körper spüren lässt, mal da, mal dort etwas löst. 

Ich bin immer noch mit der Frage am Fühlen, wie macht diese Klientin Kontakt mit mir? Das war eine zentrale Frage unseres Eingangsgesprächs, Kontakt. Die Klientin sprach davon dass sie sich in der Kontaktaufnahme zurückhaltend erlebt. Gestern, die Hand, die mich fest hielt, als ich ihre Schulter berührte und sie zu dem zusammengezogenen Ofenkind ging, die war in einem super freundlichen Kontakt. Heute spüre ich, wie gestern, erst mal eine diffuse Kontaktebene und dann kommt nicht wie gestern der Rückzug sondern heute beginnt sich unter meinen Händen die Schulterkapsel zu bewegen mit ihren angeschlossenen Muskeln, Sehnen und Knochen. Das spürt sich sehr lebendig an, wie wenn die Klientin in einen Kontakt mit sich selber eintritt, zu spielen beginnt, tanzt. 

Teaching sensomotorischer Raum. 

In der kognitiven Entwicklung ist der SMR die tiefste Erfahrungsebene. 6 Jahre lang sind wir wie ein Schwamm und nehmen unser Umwelt ungefiltert wahr und körperlich auf. Dort hin müssen wir zurück, wollen wir Atemblockaden aus dieser Zeit auflösen und damit Gewebeblockaden zum Schmelzen bringen.

Der Zellbiologe Bruce Lipton spricht von der Intelligenz der Membran. Sie verschließt sich, wenn die „vibrations“ um uns lebensfeindlich sind und öffnet sich wieder der Durchlässigkeit der Flüssigkeit in und um die Zellen, wenn wieder bessere Stimmung aufkommt. Dann tritt die Membran wieder in einen lebendigen Austausch von Innen und Außen ein. Halten die schlechten energetischen Schwingungen an blockiert die Membran und wir sprechen von einer Gewebeblockade. Wir müssen in einen alternativen Bewusstseinszustand kommen um in Kontakt mit dem SMR treten zu können. Da sind wir beim Spiel, beim Tanz, wie ich ihn in den HKIT verstehe, ein spielerisches Sein. Die Gehirnwellen werden zu Alpha- oder Tethawellen. In Brasilien sehe ich oft auch Deltazustände nach den Trancetänzen. Sie sind ein sicheres Zeichen, dass wir aus dem Betha  Bereich unseres Alltagsbewusstseins in heilsame, regenerative Ebenen unseres Körpers gewechselt sind.

In diesen alternativen Bewusstseinszuständen öffnet sich der Erfahrungsspeicher der Membran und kann umprogrammiert werden. Wir trainieren in den HKIT diesen Zugang vielfältig in diversen Bewegungsmeditationen, z.B. in AATINI, im Tiertanz, angelehnt an die Erfahrungen von Michael Harner, mit tranceinduzierenden Methoden, wie sie Dr. Felicitas Goodman entdeckt hat und in tänzerischer  Rhythmusarbeit wie mit der Tarantella oder dem brasilianischen Candomble. Es geht um Erfahrung. Alles andere ist nur Information und erreicht den SMR nicht.

Zum Ausklang und Nachspüren der Einzel schlage ich der Klientin vor, am Boden liegend mit großen Armbewegungen sich Raum zu nehmen im Körperkontakt mit der Erde. Ich gehe mit der Frage aus der Stunde, was braucht eigentlich dieses Innere Kind, wir sollten es einmal fragen. Weil diese Kinder sind mitunter sehr witzig. Mein inneres Kind liebt es im Auto neben mir zu sitzen und Eis essen zu gehen. Hört sich jetzt nicht so weltbewegend an, für meine Kleine aber ist es das Himmelreich und es fühlt sich voll sinnlich und bewegt an, wenn wir Aprikoseneis schlecken. Schauen wir mal morgen was meine Klientin sagt.

Klientin:

Der Ofenraum in den ich mich zurückziehen konnte war eng und klein und verschwand hinter der Tür, so dass mich niemand sehen oder finden konnte. Traurig, dass das eigentlich nie jemand mitbekam, wenn ich in den Ofenraum verschwand.

Heute spürte ich bei der Einzelarbeit mit GF immer wieder Resonanzen zum großen Zeh, zum Fußgewölbe, zur Hüfte und vor allem zur linken vorderen Gehirnhälfte. Von der Gehirnhälfte löste sich alter brauner Lehm in den Zwischenräumen. Er löste sich, abbröckelte oder blätterte ab. GF rief gleich „Gott sei Dank ist es nicht im Gehirn, sondern lediglich drum herum!“ Ja was für ein Glück, da schien nur etwas wie „zu betoniert zu sein“ jedoch nicht defekt zu sein.

Meine Schulter an der wir immer wieder arbeiten steht wie weg oder fühlt sich wie ausgekugelt an und langsam bewegt sie sich in ihren gesunden Körperzustand zurück, entspannt sich und wird schmerzfrei – was für ein wohltuendes Gefühl – aaaahhh wie lange spürte ich das nicht mehr!

Auch heute sind die Impulse des Wegelaufens oder des sich Versteckens wieder da, jedoch fühlt es sich nicht mehr überlebensnotwendig an und!! es kommt immer wieder frischer, lebendiger Atem während sich das Gewebe öffnet und weit wird – zu pulsieren beginnt!

GF verabschiedet sich … und sagt: „Nimm dir Zeit und spüre nach.“

Nachdem ich da so 20 Minuten lag und den inneren Impulsen nachspürte verspürte ich große unbändige Lust zu tanzen und mich zu bewegen … also begann ich 30 Minuten -ohne Musik- zu tanzen und mich zu bewegen. Bewegung für Bewegung, Impuls für Impuls, Atem für Atem – herrlich! Danach fühlte ich mich glücklich und frei und verschwand in der wundervollen Heide und tauchte in die Lebendigkeit der Natur ein …

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