Chronik Wort und Tanz

Seit 2003 gibt Dr. Gisela Notz den Kalender Wegbereiterinnen mit jeweils zwölf bemerkenswerten Frauen aus der Geschichte heraus. Der Kalender wurde zunächst von Gisela Notz alleine verfasst. Im Laufe der Jahre kamen immer mehr historisch arbeitende Frauen und einige Männer dazu, die fesselnde Berichte über die Wegbereiterinnen schreiben. Jede dieser zwölf Frauen im Kalender hat ihre eigene Geschichte. Den im Kalender versammelten Künstlerinnen, Schriftstellerinnen, Politikerinnen und Gewerkschafterinnen, ist gemeinsam, dass sie zu einer Zeit, in der die Frauen weltweit noch wenige Rechte hatten, gelebt haben und sich für die Rechte der Frauen, für eine friedliche Welt und für das “gute Leben” in einer besseren Zukunft für alle eingesetzt haben.

Seit 2004 gibt es das Projekt Wort und Tanz: Dr. Gisela Notz präsentiert ihren Kalender Wegbereiterinnen und G.F. oder später die Dancing Dialogue Compagnie G.F, Musik Stefka Weiland, Videoinstallationen Elke Wagner, performen zu den vorgestellten Persönlichkeiten.

Was treibt mich an? G.F.

Als ich Gisela Notz bei einer Ausstellungseröffnung in Siegburg im Jahr 2003 kennenlernte bewegten mich gerade Texte von Hélène Cixous, Das Buch von Promethea, Wiener Frauenverlag und Luce Irigaray, Zeit des Atems, Christel Göttert Verlag, 1999. Ich hatte kurz davor zur Eröffnung der Tanzheimat Inzmühlen zu Texten aus Promethea getanzt.

Diese Erfahrung, die Sprache, den Ton, die Bedeutung der Worte als Klangteppich zu nehmen für Bewegung und Tanz faszinierte mich in der Verbindung zu den philosphischen Texten der Psychoanalytikerin Luce Irigaray und ihren Überlegungen, zur Weiblichkeit von Sprache. Sprache entspringt dem Körper. Wir haben das Wort Ton für Klang, für einen differenzierten Klang und dann dasselbe Wort auch für Erde, Erde die gebrannt werden kann, Lehm, Tonerde … da ist die Verbindung zu Mutter Erde.

Luce Irigaray beschäftigt sich mit dem Weiblichen in der Sprache, ebenso wie SentaTrömmel-Plötz und Luise Pusch, Sprachwissenschaftlerinnen und Begründerinnen der feministischen Lingusitik in Deutschland, die das auf einer anderen wissenschaftlichen Ebene tun.

Als Tänzerin stellt sich mir die Frage, wie bewegt sich das? Denn Ton, Wort, Klang, Sprache ist für mich vom Körper her gesehen Bewegung und damit kam da etwas daher, das ich noch nicht erfassen konnte, das ist auch gar nicht Aufgabe von Tanz. Aufgabe von Tanz ist vielmehr die Dinge zu bewegen und damit ihre Nähe, ihre Tiefe, ihre Grenzen und die vielfältigen Zwischenräume die sich im tänzerischen Dialog zeigen, zu erforschen.

Mit diesem sensomotorischen Raum öffnen wir Tänzerinnen den Raum für kognitive Entwicklung und schaffen so neue Zugänge über die Dinge nachzudenken, Erkenntnisse zu gewinnen, sie in andere Lebensbereiche zu übertragen und so Probleme zu lösen indem wir das Getanzte im wahrsten Sinne des Wortes bewegen. Das kann eine bedeutende Wegbereiterin sein aber auch ein Familientrauma oder eine bevorstehende Hochzeitsfeier oder ein Problem mit einer Chefin. Das oft gepriesene Miteinander reden ist im Grunde ein sich miteinander bewegen. Diesen Geheimnissen der Kognition die auch Grundlage jeder emotionalen Intelligenz darstellt auf der Spur tanzen wir.

Wichtig in der Bewegungsforschung sind mir De Beauvoir und Sartre. Sie sprechen über existenzielle Erfahrung, MerleauPonty führt das dann weiter durch seine Überlegungen der zwei sich berührenden Hände und der Herausforderung sich offen zu halten für die Begegnung des Spürbaren und des Nichtspürbaren. Ingeborg Bachmann nennt es das Sichtbare: Das Sichtbare braucht das Unsichtbare um von ihm aus erkannt zu werden. Wie eine Dancing Dialogue Tänzerin das im Tanz zum Vortrag von Gisela Notz zu Grete Wiesenthal 2013 erlebte findet sich im HKIT blog ebenso die Theorie zu dem hier Gesagten im Januar 14 blog unter
https://ressourcetanz.wordpress.com/2015/01/31/bewegungstudien/comment-page-1/#comment-122.

Damit sind wir wieder bei den Performances der DDC G.F. zu den Wegbereiterinnen von Gisela Notz angekommen. Was bewegt sich da zwischen Vortrag und Tanz, existenzialistisch gefragt: wie schlägt das Herz wenn ich die Bühne betrete und dann eben weiter, was berührt sich da und wie fühlt es sich von den verschiedenen Seiten die in einer Performance aufeinandertreffen an? Von Seiten der Vortragenden, der Tanzenden, der Zuschauenden. Die Wegbereiterinnen können wir nicht mehr fragen, sie sind Geschichte, die ihren Einfluß auf die Performance über Bewegung geltend macht.

Wir setzen uns also nach dem Event der Kalenderpräsentation zusammen und sprechen über das Erfahrene. Es ist wie bei Joseph Beuys, der als Künstler die Dinge so arrangierte, dass die BetrachterInnen sich ihr eigenes Kunstwerk kreieren konnten. So erforschen wir in jedem Jahr neu unsere Zusammenarbeit auf der Basis der vorausgegangenen Jahre als Künsterlinnen. Schauen uns die arrangierten Teile der Performance an. Angefangen vom Vortrag von Gisela Notz über die Auswahl der Wegbereiterin bis hin zu den Bewegungen die die Tänzerinnen auf der Bühne machen.

Diese intensive künstlerische Arbeit zwischen Vortragender, Tanzenden und Zuschauenden ist überaus fruchtbar im Sinne der sozialen Plastik und hat zu intensiven Kontakten geführt. Gisela Notz ist heute nicht nur Preisträgerin der Roten Schuhe, eines von G.F. ausgelobten Preises für tänzerische Verdienste und auch die Wegbereiterinnen sind aus unserem tänzerischen Jahresablauf nicht mehr wegzudenken, als bewegende Kraft die die Wegbereiterinnen der Vergangenheit mit uns heute kommunizieren lässt.

Herbstens kommt Gisela Notz mit den Kalenderfrauen nach Inzmühlen in die Tanzheimat. Wir freuen uns jedes Jahr tänzerisch auf diese Herausforderung. 2015 Therese Giehse. Auch unser Nachdenken zu dieser Chronik wird sich im Dialog von Vortrag und Tanz am Sa. 14. Nov. 2015 bemerkbar machen. Aus dieser Chronik kommen mir viele Anregungen entgegen und ich merke auch, wie sich die tänzerische Auseinandersetzung von Wort und Tanz in unserer körperpsychotherapeutischen Arbeit niedergeschlagen hat.

Wir trennen Gespräch und Bewegung in der Therapie nicht, wie das in Formulierungen wie Gesprächstherapie und Körpertherapie vorgegeben wird. Wir bringen Wort und Tanz zusammen in den HKIT, auf vielfältige Art und Weise. Wir sprechen und gehen, rhythmisieren die Worte, Sätze, Glaubenssätze und bewegen sie so weiter in die Öffnung mit der Begegnung des Neuen und Unbekannten hinein. Therapeutisches Arbeiten bringt so unsere vorgefertigten Meinungen und Urteile ins Wanken, gut so, sagt der Tanz oder Sie bewegt sich doch, Galileo Galilei.

Tanztherapie HKIT schlägt durch die intensive Begegnung von Wort und Tanz wie wir sie in der Auseinandersetzung mit Gisela Notz und den Wegbereiterinnen erfahren konnten eine Brücke zwischen Gesprächs- und Bewegungstherapie. Das ist ein wichtiger Eckstein in der Körperpsychotherapie und verändert ihren Wirkungsbereich bedeutend.

Was treibt mich an? Gisela Notz

…Mir gefällt das sehr gut, liebe Gabriele

Es ist eine ganz neue Methode: Wort – Bild und Tanz. Und es ist Eines. Eines ohne das Andere ist bei dieser Methode nicht denkbar. Ich habe selten so bewegte Gesichter und auch Feed-backs bekommen, wie nach dieser Methode. Auch ich habe in dieser Zeit mit Euch gelernt. Ich möchte sie nicht mehr missen. Euch und die Performances.Wichtig wäre es, die methodische Entwicklung darzustellen von 2004 bis heute. Zunächst nebeneinander, Du alleine dann hintereinander, dann mehrere, die Gruppe und schließlich sind alle Beteiligten Teil der Gruppe. Die Konstante bleibt: Vortrag, Bilder, Tanz und Austausch!

 

Keine Kommentare

Tut uns sehr leid, das Kommentarformular ist zur Zeit geschlossen.