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Friedenstanzperformance Nicolaimahnmal PDF Drucken E-Mail
Friedenstanzperformance 2010
Nikolai Mahnmal Hamburg
jeweils 13 Uhr, 2. und 3. Juli 2010

Das Nikolai Mahnmal liegt mitten im Herzen von Hamburg, unweit des alten Hafens, dessen Anfänge auf das Jahr 1188 zurück gehen, in dieser Zeit liegen auch die Anfänge des Baus der Nikolaikirche. Das heutige Mahnmal erinnert als Ruine an die Schrecken des 2. Weltkriegs. In der Krypta ist ein Film über die Bombenangriffe auf Hamburg im Juli 1943 zu sehen. Das Unternehmen Gomorrha sollte die Zivilbevölkerung treffen und wurde von Alliierten Bombern ausgeführt. 30 000 Menschen fanden in wenigen Tagen den Tod. Der Turm des 1943 zerstörten Gotteshauses ist heute mit einem Fahrstuhl ausgestattet und beim weiten Blick über die Dächer Hamburgs werden die Ausmaße der damaligen Zerstörung und die enorme Kraftanstrengung des Wiederaufbaus in der Nachkriegszeit spürbar. Was mit den Menschen, die das erlebt haben, passiert ist, spüren die Hamburger und Hamburgerinnen bis heute in ihren Knochen und auch die Kinder und Kindeskinder tragen diese Erinnerungen nicht nur in Gedanken mit sich, sondern tief drinnen in ihrem Körpergewebe.

Acht Dancing Dialogue<sup>®</sup> Tänzerinnen, Elke Wagner, Stefka Weiland und Team waren mit mir zusammen bei 35 Grad im Schatten nach Hamburg angereist. Unsere Performance fand in der Gluthitze der Mittagszeit statt, da der Kirche das Dach fehlt und die noch vorhandenen Mauern nur kärglich Schatten spendeten. Der Steinfußboden war so aufgeheizt von der Sonne, dass es bei den Tänzerinnen, die am Boden tanzte,n zu Verbrennungen kam und sich die Tänzerinnen mit kaltem Wasser auf den Haaren zumindestens für kurze Zeit Erleichterung verschafften. Helga Eckhoff-Havenstein meint, dass es zur Zeit der Bombardierung Hamburgs, im Juli 1943, auch sehr heiß gewesen war, die Hitze der Feuerstürme, die die Bombardierung auslöste, ist trotzdem nicht zu erahnen für einen noch lebenden Organismus.

Wir waren trotzdem sehr glücklich mit unserem Performanceort. Das Team des Mahnmals begrüßte uns sehr freundlich und war voller Interesse an unserer Performance. Was konnten wir uns mehr wünschen. Wir richteten uns den Performanceort ein und mit dem Tanzen der nun seit 2 Jahren geübten Friedenstanzbewegungen veränderte sich der Kirchplatz. Die Touristen blieben stehen, als die Tänzerinnen mit schnellen Bewegungen über den Platz gingen und den Performanceraum öffneten, zu den Stimmen eines mongolischen Mädchenchors. Stefka Weiland begleitete uns Tänzerinnen mit selbst komponierten und vorgetragenen Musikstücken, die Eröffnungsmusik hatte sie von einer Musikstudienreise in die Mongolei mitgebracht, auf der sie in einer Schule von einem Mädchenchor mit diesem Lied begrüßt worden war.

Jede Tänzerin hatte ja in den zwei Jahren Vorbereitungszeit zu ihren persönlichen Friedenstanzbewegungen gearbeitet und ein Tanzrepertoir entwickelt, das, geprägt von individuellen Erfahrungen mit dem Friedensthema im Kanon der Gruppe, eine tiefgreifende Aussage zum Thema DEN FRIEDEN BEWEGEN machen konnte. Die individuellen Erfahrungen schmolzen in der Hitze des Tages im Gedenken an den Feuersturm über Hamburg im Juli 1943, im Rhythmus der Musik und in den Herzen der Zuschauer zu einer überwältigenden Friedenstanzbewegung zusammen. Tränen in den Augen der Tanzenden und der Zuschauenden.

Dankbar und voll innerer Freude über unsere Arbeit gingen wir nach der letzten Performance am 2. Tag vom Platz. Wie gut, dass es dieses Mahnmal gibt und wie wertvoll, dass wir dort tanzen konnten und unseren Friedenstanz in die Erde und um die Welt schicken konnten. Wenn es auch mit Polen in diesem Jahr nicht geklappt hat, das Nikolai Mahnmal ist in diesen Tagen für uns der richtige Ort für unser Anliegen geworden. Danke den HKIT<sup>®</sup> Frauen, die zu uns gekommen sind und diese großartige Erfahrung mit uns geteilt haben. Was für eine Verbindung. Die Idee, im Sommer 2011 dort wieder für den Frieden zu tanzen, ist geboren, schauen wir mal, wie das gehen kann. G.F.
 
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