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Tanzreise nach Ischia PDF Drucken E-Mail

VAGINA AUF ISCHIA

Ein Reisebericht Verbindung der unteren und der oberen Lippen
Tanz und Wasser
Über Hingabe an die Bewegung an das Getragensein in der Bewegung

liebe Tänzerinnen von Ischia,

ich hoffe Ihr seid alle wieder gut in heimischen Gefilden gelandet und Euer Alltag läßt Euch zwischen durch immer wieder Zeit für kleine Inselaufenthalte, wenn auch nur in der Erinnerung Eueres Gewebes.

Ich denke darüber nach, welche Auswirkungen das Thema Vagina für unseren Tanz hat. Muskeln, Sehnen, Gewebe, Zellen, Bewegung ...
"Da unten war ich seit 25 Jahren nicht mehr"
sagt eine von Eve Enslers interviewten Frauen. Träfe das nicht auf die meisten Tänzerinnen zu? Welche tanzt schon von ihrer Vagina, ihren unteren Lippen, ihrer Gebärmutter, ihren Eierstöcken heraus?

Wie Maria sagte: Das gibt ja ein ganz neues Tanzgefühl, eine ganz andere Ausrichtung im Tanz. Sieht es nicht ganz anders aus, wenn wir als Frau in Verbindung mit unseren Feuchtgebieten tanzen? Wieso haben wir dort keine Tanzbühne?

In einem Nachgespräch wies mich Elke Wagner darauf hin, dass in einem Sexualkundeatlas an deutschen Schulen zwar die inneren und die äußeren Geschlechtsorgane der Jungen dargestellt werden, bei den Mädchen nur die inneren, die äußeren Geschlechtsorgane fehlen??? Was ist da für ein schwarzes Loch in unserer Wahrnehmung?

Wie schon Kleist in der Regentrude bemerkte trocknen Feuchtgebiete aus, wenn wir nicht immer wieder dort hingehen und unseren Quellen Aufmerksamkeit schenken und so sollten wir unseren Standort Ischia ruhig pflegen und auch weiterhin Ausflüge in die warmen vulkanischen Wässer im Auge behalten. und im Herzen bewegen und in die Tat umsetzen, ob in Ischia. oder sonst wo.

Denn, was ist ein Tanz ohne Vagina? Eine Jahrmarktnummer wie "Die Frau ohne Unterleib". Dass es dabei zur Sache gehen kann haben wir erlebt. Dass dabei verspanntes Gewebe im ganzen Körper auftauchen kann war klar, Gefühle, Erinnerungen, Verletzungen, Enttäuschungen, Unlust.

Die ganze Pallette des Festhaltens, Zusammenziehens, Blockierens auf der einen Seite und dann die Wärme, das Wasser, das Lösungsmittel, die Entspannung, das Getragen sein, das Gehalten werden, Hängematte, Mutter Erde, Mutter Wasser. Mana, das Land wo Milch und Honig fließt und die Sahnehäubchen ... fft, fft, fft kommen sie aus dem Sahnespender, sie lassen sich zur Tortengarnituren erweitern, in Zuckerbäckerarchitektur umwandeln ... und dazwischen immer wieder Erikas Frage nach dem Umgang mit Gewebe das sich ausgehängt hat, das ausgespannt ist, abgespannt durchhängt.

Polaritäten mit denen es sich tanzen lässt. "Don't get stuck" sagte Anna Halprin häufig. Polarität regt zur Beweglichkeit an. Pulsation. Auch wenn nichts mehr geht, da ist sie die Quelle blubb blubb blubb. Ein Zusammenziehen, ein sich Öffnen. Da beginnt der Tanz.

Das Geheimnis des Lebens liegt in der Hingabe, ein bisschen konnten wir davon spüren in den Wässern Ischias. Das blaue Mittelmeer vor Augen, die Erschütterungen der Erdgeschichte, die diese Landschaft zwischen der europäischen und der afrikanischen Festlandplatte hervorgebracht haben noch in meinen Zellen freue ich mich auf weitere Tänze mit Euch.

Im Ballsaal der Gaia schreibe ich über diese Erdbewegungen, die wir in der Dreamingarbeit so stark spüren können ... über den Rumms den es getan hat, als die afrikanische Platte auf die europäische stieß und sich die Alpen auftürmten und im Gefolge das Mittelmeer und das schwarze Meer als Überbleibsel der Thetys, des großen Weltenmeeres zurück blieben, gigantische Bewegungen und tiefe Erschütterungen. Ein bisschen von dem Thetysmeer konnte ich spüren in der Therme die uns zu freizügigen Tänzen im Wasser einlud.

 Diese Unberührtheit eines Wassers aus der Tiefe, gespeichert dort seit Jahrmillionen, ein Gefühl von unbeschreiblicher Reinheit, lange vor Adam und Eva, lange vor Kain und Abel. Abtauchen, eintauchen in ein Urmeer, aus dem nur noch das Rheinische Schiefergebirge von Deutschland herausragte. Was für ein Raum öffnet sich da dem Tanz?

Während wir in Ischia waren haben die Tübinger Wissenschaftler ihren letzten Fund aus dem Hohle Stein bei Schelklingen der Öffentlichkeit vorgestellt, eine 40 000 Jahre alte geschnitzte Frauenstatuette aus Elfenbein. Ein Wissenschaftler meint, es wäre Porno, die Vulva, die Brüste, alles so übergroß darzustellen. Na, ja, denke ich, dann haben wir wohl auch einen Pornoworkshop gehabt und muss ein bissle schmunzeln über soviel mangelnde Fachkenntnis und ich denke an die fehlenden unteren Lippen im Sexualkundeatlas, von dem Elke Wagner berichtete.

40 000 Jahre Kunst, 40 000 Jahre Frauenskulpturen, die schwäbische Alb ein einzigartiges künsterlisches Zentrum in der frühen Menschheitsgeschichte. Die Alb, die sich eben aus diesem Rumms gebildet hat, der das Mittelmeer hervor brachte, von dem wir gerade zurück kommen. Als flachste der drei oder vier Gesteinsplatten die sich damals emporstreckten und die wir heute Alpen nennen ist die schwäbische Alp die niedrigste und öffnet somit einen besonderen Lebensraum. Wer mit Elke Wagner noch nicht auf Höhlentour dort war sollte das dringend tun.

Neapolitanisches Volkslied
(Giovanni Capurro - Eduardo di Capua , 1898)
O' sole mio!
Meine Sonne
Che bella cosa na jurnata 'e sole,
N'aria serena doppo a na tempesta!
Pe' ll'aria fresca pare giá na festa,
Che bella cosa na jurnata 'e sole!
Ma n'atu sole
cchiù bello, oje né',
'o sole mio,
sta 'nfronte a te...
'O sole,

'o sole mio,
sta 'nfronte a te...
sta 'nfronte a te!

Feedback Ischia Mai 2009


Miranda Welter
Feuer, Wasser, Erde, Wind, und meine Mutter Yemanja
Spaziergang mit Erleuchtung

Das Besondere an diesem Wasser-Tanz-Platz in der Villa Lina war dieser höhlenartige Innen-Raum, in dem wir im warmen Wasser tanzten; eine Wohltat, geschützt und einfach dunkel, feucht, «bauchig», «erdisch» oder «Vagina-Uterus-himmlisch», gerade im Vergleich mit der Poseidon-Therme, wo alles groß, Sonne-trocken, offen und der Öffentlichkeit ausgesetzt war.

Erst langsam ist mir gedämmert warum ich da war, und am 3. und 4. Tag kamen die ersten Erkenntnisse. Daß dieses erst am Meer möglich war, ist mir an meinem allerletzten Tag, in Forio, klargeworden. Der Bezug mit Vagina kommt vielleicht auch noch eines Tages. Vielleicht war ich ja Innen drin?

Ich war Montags noch am Strand und Dank Doro einen halben Tag in der Poseidon Therme, und am Nachmittag war ich bis ans Ende des Strandes gewandert, wo ich zeitweilig ganz allein zwischen den Felsen war und auch dort geschwommen bin. Da habe ich dann Teile aus der Therme gesammelt, da ich auf die Farbe Türkis und Blau flippte: Das Wasser aus der Therme fliesst da heiss ins Meer, und zwar sowohl das heisse Wasser aus den sichtbaren Deko-Kanälen, als auch, separat, alle anderen Abflüsse, nehme ich an. Jedenfalls fand ich die in der Therme fehlenden türkisen und hellblauen Mosaiksteinchen dort am Strand wieder! Die meisten waren von Sand und Wellengang in verschiedene Formen geschliffen.

Als ich eine schöne Sammlung von Steinchen und winzigen Muscheln beisammen hatte, bin ich nach Hause in die Ring Hostel gewandert, es war schon Abend, und beim Auspacken fehlte mir dann das Unterteil meines neuen türkisen Bikini. Oh Schreck, soll ich diese ganz lange Strecke zurücklaufen deswegen? Natürlich, und so kam es, dass ich Dienstag schon um 6.30 Uhr, dank Mitfahrgelegenheit, wieder bei den Felsen war, ganz allein.

Ich fand meinen Bikini-Slip nicht, aber konnte dort ganz schön und allein im Meer nackt schwimmen, tanzen, singen, (Yemanja ossossu…) und weinen. So weinte ich zum ersten mal meiner Mutter nach, für die ich bei ihrem Tode 2001 kaum eine Träne aufbrachte. Meine salzigen Tränen vermischten sich mit dem Meer, es floß einfach. Dass ich ein verlassenes Kind war, wusste ich schon, doch der Mutter nachzuweinen hatte ich jetzt erst geschafft.

Oft und öfter lege ich meine Hand auf meine Brust und Magengegend, wo noch die letzten Krusten von dem Hautauschlag zu spüren sind, der Samstag dort entstand, nachdem Michaela ihre Hand solange darauf liegen hatte, bis ich es vor Hitze nicht mehr aushielt. Danach waren dann ganz viele kleine Bläschen dort zu finden, die im Salzwasser ganz schön itchy waren und ich sie aufkratzte, was das Problem nur verschlimmerte.

Das Bikini-Unterteil fand sich dann in der Muschel- und Mosaiksteinchen-Sammlung wieder, Türkis auf Türkis!

Gisela Kämpgen schreibt:
Es ist zu wichtig, um es nur im Körper und Kopf zu speichern, es muss zu Papier gebracht werden!
Tja, es hat schon eine Weile gedauert, bis mir so richtig klar wurde, dass sich bei mir was verändert hat. Da ist die Selbstverständlichkeit, wenn es mir gut oder besonders gut geht. Ich nehme es an, freue mich über die kleinsten Dinge, packe alles Mögliche erfolgreich an, bin ungewöhnlich gut strukturiert und dabei kreativ und m e r k e e s s o s p ä t und frage mich nicht, woher kommt das denn?

Von der Tanzreise aus Ischia kommend standen so viele Termine an, dass ich es zwischendurch bedauerte, nicht mehr Zeit zum Nachspüren zu haben. Nur in wenigen Momenten (oder abends kurz vor dem Einschlafen) konnte ich mich in die bewegte Wasserwelt meines Körpers begeben. Aber trotz aller Termine, vieler körperlicher und geistiger Arbeit in Beruf, Tanzworkshop und Garten geht es mir ungemein gut. Nichts bringt mich aus dem Konzept, alles, was ich mir vornehme, schaffe ich, und zwar mit Freude. Ich kenne diese Vitalität sehr wohl. Fast immer wenn ich von einem Block aus Inzmühlen kam, war ich außergewöhnlich strukturiert und aufnahmefähig für Neues. Und mit jedem Inzmühlen-Block mehr hat sich etwas in mir, an mir, bei mir verändert. Die Ischia-Tanzreise jedoch hat es mir besonders deutlich gemacht: Es ist noch einmal etwas besonders Bewegendes passiert.

Als ich einer Freundin von unserer Arbeit in Italien erzählte und was bei mir passiert war , fragte sie mich: „Was hat es denn bei Dir bewirkt und was machst Du damit?" Erst diese Frage hat mich zum Nachdenken gebracht. Ja, was ist passiert? Wie soll ich es in Worte fassen so, dass es verstanden wird? „Es ist so, als wenn mein Gewebe sich neu strukturiert hätte, altes, mit unnötigem Ballast angereichertes Gewebe hat sich erneuert, meine Lebensenergie ist ins Fließen gekommen"

Während des Erklärens merke ich, dass ich Worte gebrauche, die ich in Inzmühlen gelernt habe, die ich in ihrer ganzen körperlichen Bedeutung nie so vollständig umfassend verstanden habe. Jetzt hat sich mein Körper endlich erinnert, jetzt hat die Weisheit der Knochen, des Gewebes, der Blutgefäße, der Zellen …es für mich begreifbar gemacht. „So fühlt es sich also an!" Meine Freundin meinte nach meiner Erklärung: Es hört sich so an, als wenn Du neu geboren worden wärst." Ja, ich glaube so kann ich es auch nennen. Ich habe meine Geburt – in Auszügen – noch einmal erlebt, meine Vagina – oder die meiner Mutter – gefühlt, bin von meiner Mutter mit all ihrer Aufmerksamkeit durchs Wasser getragen worden und habe die intensive Vertrautheit während der ersten 3 Jahre meines Lebens mit allen Fasern meines Herzens und meines gesamten Körpers noch einmal gespürt.

Ich bin sehr dankbar, dass diese Erinnerungen aus der Tiefe meiner Zellen aufgetaucht sind und mir helfen, zu heilen. Eingangs unserer Tanzreise fragtest Du uns, Gabriele, mit welchen Erwartungen (oder so ähnlich) wir denn gekommen seien. Meine Antwort war: „Ich möchte meine Vagina als Kraftzentrum , als rote Kraft neu entdecken."

Ich habe eine Kraft wiederentdeckt, ob nun meine Vagina dabei im Spiel ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Aber schööön ist es! Ich danke Dir, liebe Gabriele, dass du HKiT entwickelt und weiter gegeben hast und denke, dass ich mit diesem wissenden Fühlen eine noch bessere Tanzpädagogin werden kann.

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