logo_gabriele_fischer.gif
wasistdd.gif
Home  arrow Tanzstudium HKiT® arrow Was ist Dancing Dialogue®?
Was ist Dancing Dialogue®? PDF Drucken E-Mail
 Dancing Dialogue® ist eine zeitgenössische Tanzform, bei der es um den Dialog in Bewegung geht. Der Dialog wird herausgenommen aus seinem eng gedachten verbalen Umfeld und mittenhinein gestellt in die multimedialen Möglichkeiten, die der Tanz zu bieten hat.

Dancing Dialogue® beginnt beim Dialog mit dem eigenen Körper. Wenn der nicht stimmt läuft gar nichts. „Großhirn an Gallenblase", singt Otto und macht uns als Komiker auf den äußerst wichtigen innerkörperlichen Dialog aufmerksam. Daraus kommt der Dialog mit einem Gegenüber und dann der Dialog, der über das Du hinaus geht.

10 Jahre Bewegungsstudien zu Dance in Dialogue haben uns sensibel werden lassen für uns selbst und für die Menschen, mit denen wir tagtäglich umgehen, in der Familie und am Arbeitsplatz. Wir haben erfahren, dass ein anderer Umgang möglich ist im Miteinander, wenn wir in Bewegung bleiben und nicht erstarren.

Dialog in Bewegung. Eingehen auf die eigenen Bedürfnisse und die der anderen, schauen, wie sich das Leben gemeinsam gestaltet. Eine soziale Skulptur erschaffen, wie das Joseph Beuys nennt. Eine wichtige Funktion der Kunst.

Körperarbeit zur Verständigung zwischen Menschen. Ein großes ungenutztes Potential liegt in der nonverbalen Kommunikation. Oft vermitteln sich nur schlappe 30 % eines Gesprächs über Worte, der Rest läuft nonverbal über die Bühne. Diesem Rest auf der Spur führte Dancing Dialogue® uns in 10 Jahren Bühnentanzpraxis zu der Frage: Ist Frieden möglich?

Die aus 10 - 15 Tänzerinnen bestehende Tanzcompagnie Dancing Dialogue® bereitet sich 2009, zusammen mit ihrer Leiterin Gabriele Fischer, auf ein großes Friedenstanzritual in Polen vor, das 2010 in Katowice, unweit von Auschwitz, uraufgeführt werden soll.

Die Feier zum zehnjährigen Bestehen der Tanzcompagnie findet am Pfingstsonntag, 31. Mai 2009, im Tagungszentrum Tanzheimat Inzmühlen, mitten im Herzen des Naturparks Lüneburger Heide statt, doch jetzt haben die Tänzerinnen das Wort und berichten aus der Praxis über die Tanzform Dancing Dialogue®:

Renate Barbara Balzer, Dancing Dialogue®
1.März 2009
Tanzen heißt, mit mir und meiner eigenen Lebensgeschichte in Dialog treten, sie ganz da sein lassen, um sie anschließend loszulassen. Sie ist wichtig und unwichtig zugleich.

Wirklich wichtig ist nur die Bewegung, die sichtbar werden möchte. Jedem Millimeter Gewebe wird Atem eingehaucht, Atem, der mich füllt und an die Schwelle von Innenraum zu Außenraum führt. Aus Achtsamkeit, Geduld und Liebe wird das Überlaufen geboren, was als Bewegung meines Körpers in die Sichtbarkeit tritt.

Zeit und Raum erscheinen als Bindeglied, damit ich meinen Mitmenschen in voller Präsenz begegnen kann. An dieser Schwelle entsteht ein neues Geheimnis, was geschieht jetzt, in diesem Moment, in dieser Begegnung?

Dieses bis an die Grenze der Haut meines Körpers Gefüllt-Sein, macht den Charme jeder Bewegung aus ... und ist doch nichts anderes als pures Tanzwerkzeug gespeist aus ATEM und AATINI.

12.3.09
Ich bin dabei, noch etwas über Dancing Dialogue® zu schreiben. Mir fiel am Sonntag als ich von der Gruppe in Inzmühlen nach Hause kam, soviel dazu ein, dass ich es erstmal in meinem Heft notiert habe. Und ich merke, dass ich noch mehr spüre, was Dancing Dialogue® für mich ist. Grad durch die gemeinsame Arbeit der letzten Tage ist ganz viel in mir bewusst und klar geworden, welch elementarer Bestandteil diese Art zu tanzen bedeutet. Es ist so, als ob mir die Schuppen von den Augen und der Seele gefallen sind, welch grundlegende Veränderung Dancing Dialogue® in mein Leben gebracht hat.

"Wir tanzen immer, egal, wo wir grad sind und egal was wir tun...." ,
sagt G.F. ganz oft. Unser Handwerkszeug ist soooo absolut alltagstauglich, unglaublich, welche Türen des Verständnisses da für mich aufgehen. Und mir ist so deutlich geworden, wann und wo ich überall das tänzerische Handwerkszeug auf der alltäglichen Bühne einsetze.

Der Satz von G.F.:
"Behalte deinen Tänzerinnenstatus bei, wenn du gleich nach Hause kommst!"
Ich hörte ihn am Sonntag und sofort veränderte sich meine Gefühlslage. Ich war grad sehr traurig, etwas in mich zusammengesunken, hatte genug gearbeitet und aufgenommen....und dann sagtest du den Satz mit dem Tänzerinnenstatus.

Sofort richtete sich meine Wirbelsäule auf, meine vertikale Achse war unmittelbar zu spüren und ein Gefühl von innerer Ausrichtung und Haltung und Würde stieg in meinem Körper auf. Es fühlt sich wie ein Anker an, auch in der Praxis benutze ich es jetzt ganz bewusst und es tut mir richtig gut, immer Tänzerin zu sein.

Unsere Arbeit der letzten Tage hilft mir grad sehr, in der Zahnarzt-Praxis Arbeitssituationen zu durchschauen und Konflikte zu lösen. Ich versuche für mich zu sortieren, wo ich eingreife und wo ich mich abgrenze. Ich werde weiter daran forschen und noch was in Ruhe dazu schreiben. Es ist wohl dran, dass ich mich mehr damit beschäftige, professionelle Tänzerin zu sein. Ganz tief in mir kommen leise Stimmen. Ich versuche sie zu hören und in mein Leben zu integrieren.

Claudia Baum
März 2009
Ich habe nochmal das Tanzbuch 'In der Fülle baden' gelesen und nehme die Inhalte ganz anders wahr. Nehme sie körperlich wahr, fange an sie körperlich zu begreifen, nicht nur vom Verstand her. Erst hatte ich das Gefühl, diese Tage in der Tänzerin, da hat sich nicht so viel getan, ich habe ja 'nur' an einer Bewegung gearbeitet, aber irgendwie hat sich etwas Großes in mir bewegt, mein körperliches Bewusstsein als Tänzerin ist gewachsen. Es ist nicht so, hm wie soll ich sagen, chakra-mäßig, sondern eine Veränderung in der Tiefe meiner Körperzellen passiert. Ein Anfang ist gemacht. Bin gespannt, was sich da weiterbewegt und an der Oberfläche auftaucht. Und hier noch mein Text zu Dancing Dialogue®: Es sind 2 Aspekte die für mich hervorstehen:

1. Für mich ist es etwas Besonderes, in einer Gruppe zu sein, die sich gemeinsam weiterentwickelt und verändert. In ihr ankommen, verbunden sein und auch in ihr ich selbst sein dürfen. Beteiligt sein, mitgestalten, mitwirken, gemeinsam miteinander individuell tanzen.

2. Das andere ist, dass ich mich persönlich weiterentwickeln möchte und kann, nach der Pädagogik- und Therapieausbildung geht es hier für mich weiter. Das Umsetzen, was ich, mein Körper gelernt haben und meinen Körper, meine Seele, mich weiterentdecken und tänzerisch erforschen und mich ausprobieren können in einem geschützten Raum.

Das choreografische Arbeiten und der freie Bewegungsimpuls

Formuliere ich mit diesem Thema Gegensätze, die sich ausschließen oder notwendige Polaritäten für den tänzerischen Dialog mit dem Körper, den MittänzerInnen, dem Publikum? Choreografie, das bedeutet Rhythmus, Struktur, Vorhersehbares, Sicherheit, Ordnung, Geborgenheit, Kontrolle. Der Freie Bewegungsimpuls, einer der fünf Bewegungsmodule der HKiT® öffnet dagegen Tore zum Unbekannten und Unbewussten. Unvorhersehbares, Ungereimtes, Ungeordnetes in nichtlinearen Rhythmen kann ans Tageslicht kommen. Überraschungen sind an der Tagesordnung. Leicht reagieren wir mit Verunsicherung, Desorientierung, Angst, wenn sich unbekannte Räume öffnen und wir feststellen, dass uns die Zeit entgleitet und Rhythmen nicht mehr linear sind. Spannungsfelder des Lebens. Wie lässt es sich auf der Bühne tanzen, ohne diese Gegensätzlichkeiten wegzumachen. Wie diesen Dynamo an Lebendigkeit hineinnehmen in das Geschehen der Performance und mit welchen Wirklichkeiten der Darbietung ist dann zu rechnen?

 

Anders als bei „nachahmenden" Typen theatralischen Vorstellungen versucht Performance ja gerade wirkliche Ereignisse und wirkliche Handlungen und wirkliche physische Energien programmatisch unmittelbar zur Anwesenheit zu bringen, sowohl in der Darbietung als auch in der Wirkung.

 

Durch die Performancearbeit dancing dialogue process® wird eine wache und entspannte Präsenz der Tanzenden gefördert. Tänzerische Kompetenz tritt an die Stelle von oft schon chronischem Angespanntsein, der Angst, die Kontrolle zu verlieren, dem Festgehaltensein in Depressionen, Einsamkeit oder Minderwertigkeitsgefühlen. Aus diesem Grund ist der dancing dialogue process® auch in therapeutischer Hinsicht sehr effektiv und bietet ebenso ein Feld für ganzheitliche spirituelle Entwicklung.

 

Dabei bleiben wir im Tanzen ganz dicht am Körper selbst, dem Dreh- und Angelpunkt von Tanz und Bewegung:

 

Der Körper ist, sagt Alice Miller, der Hüter unserer Wahrheit, weil er die Erfahrung unseres ganzen Lebens in sich trägt und dafür sorgt, dass wir mit der Wahrheit unseres Organismus leben können. Er zwingt uns mit Hilfe der Symptome, diese Wahrheit auch in unserem Bewußtsein zuzulassen, damit wir in Harmonie mit dem in uns lebendigen, einst mißachteten und gedemütigten Kind kommunizieren können.

 

Zitiert aus dem begleitenden Lehrbuch von dancing dialogue process® 2005, Alice Miller, Die Revolte des Körpers, Suhrkamp, 2004. Weitere Literaturempfehlungen: John Berger, Das Feld und die Rede von G.F. zur Eröffnung der IGT 2005 am 3. März in Inzmühlen.

 

A.M. formuliert hier eine unumstößliche Wahrheit der sich jede Tänzerin und jeder Tänzer auf der Bühne aussetzt. Die Geschichte, die Zeit eines Körpers wird auf der Bühne dem Auge des Betrachters sichtbar und wirkt in die Aussage eines Tanzes mit hinein. Das, was der Körper einer TänzerIn erlebt hat ist das, was in der Performance Wirklichkeit werden kann.

 

Auch ein jahrelanges tänzerisches Training in einer bestimmten Tanz- und Bewegungsform kann diese Geschichtetheit dem wissenden Auge nicht verbergen und ich frage mich, wie können wir mit diesem Wissen noch irgend ein Thema, das außerhalb unseres Körpers liegt, glaubhaft auf die Bühne bringen wollen, wenn wir dort mit dem künstlerischen Anspruch arbeiten, Raum und Zeit sichtbar werden zu lassen?

 

Womit wir wieder bei der Frage wären, was choreografisches Arbeiten und Freier Bewegungsimpuls miteinander zu tun haben. Denn irgendwo da, zwischen diesen beiden Polen, vollzieht sich unser Tanz und öffnen sich Raum und Zeit. Wir werden uns in diesem Jahr dieses Spannungsfeld als tänzerische Forschungsarbeit einmal genauer anschauen.

 

Dancing dialogue process® beruht ja auf den fünf Bewegungsmodulen der HKIT®, in chronologischer Reihenfolge sind das:

 

1. BASICS HKIT®
2. Tanzarchetypen HKIT®
3. Freier Bewegungsimpuls HKIT®
4. Wissende Zeugin
5. Echte und wahre Kommunikation

 

Diese Bewegungsmodule werden wir sowohl in ihren rhythmisch, ordnenden, strukturierenden, begrenzenden Qualitäten als auch in ihren freien, fließenden, auflösenden und über die Grenzen hinausweisend Eigenschaften studieren und unser Handwerkszeug für die Bühne damit pflegen, glätten, schärfen und dadurch den Bogen spannen zwischen Choreografie und Freiem Bewegungsimpuls, dem Thema 2005. Daraus formulieren sich die Arbeits- und Forschungsaufträge für das Jahr 2005 die ich hier gerne mit „tänzerische und choreografische Herausforderungen des dancing dialogue process®" benennen möchte:

 

1. Tänzerische und choreografische Herausforderung: Kommunikation im Tanz. Vom eigenen Körper zum Publikum oder „frisch von der Leber weg"... „einen Stein vom Herzen fallen lassen" ...

 

Echte und wahre Kommunikation
Nicht nur für das Leben von Magersüchtigen gibt es eine Quelle der Hoffnungslosikeit: Es ist das Scheitern der echten Kommuniktion mit den frühen Eltern, die immer wieder in der Kindheit vergeblich gesucht wurde. Vom Erwachsenen aber kann diese Suche nach und nach überwunden werden, sobald in der Gegenwart authentische Gespräche mit anderen Menschen möglich werden. A.M. 30

 

Wie lässt sich diese Erkenntnis auf die Bühne übertragen und in die choreografische Arbeit einbeziehen, wenn wir wissen, dass Performance die Kunstform ist, die am stärksten auf Unmittelbarkeit, sowohl der Darbietung als auch der Wirkung zielt? Anders als bei „nachahmenden" Typen theatralischer Vorstellung versucht Performance programmatisch, wirkliche Ereignisse und wirkliche Handlungen und wirkliche physische Energien unmittelbar zur Anwesenheit zu bringen.

 

2. Tänzerische und choreografische Herausforderung: Sehen und gesehen werden.

 

Wissende Zeugen
Wir können echte Gefühle nicht erzeugen, sie auch nicht töten, wir können sie nur abspalten, uns belügen und unseren Körper täuschen. Doch wie gesagt, hat unser Gehirn unsere Emotionen gespeichert, sie sind abrufbar, erlebbar und lassen sich glücklicherweise gefahrlos zu bewußten Gefühlen verwandeln, deren Sinn und Ursachen wir erkennen können, wenn wir einen Wissenden Zeugen finden. A.M. 31

 

Gefühle sind gespeicherte Lebensenergie und damit aufs Engste verknüpft mit unserer Dynamik, mit unseren Bewegungen. Heinl und Heinl sind Orthopäden und bestätigen in ihrem Buch Körperschmerz-Seelenschmerz, Kösel 2004 die Erkenntnisse der Arbeit mit HEILENDEN KRäFTEN IM TANZ®. Sie sagen, dass Spannungen im Körper dann entstehen, wenn die Ausführung einer Bewegung gehemmt wird. Sowohl der Aufbau des Muskeltonus wie dessen Hemmung aber wird im Gehirn gesteuert und wie die moderne Neurobiologie zeigt, von emotionalen Zentren beeinflusst. Das erklärt warum körperliche Bewegungsmuster zum Ausgangsort emotionaler Impulse und innerer Konflikte werden. Im Schmerzgedächtnis des Gehirns werden zudem wie beim Phantomschmerz, traumatische Erfahrungen gespeichert, die eine Schmerzempfindung in der Peripherie auch dann erzeugen können, wenn körperlich dort keine Verletzung festzustellen ist.

 

Wir können also in der tänzerischen Performance nicht von unseren Körperthemen und Gefühlen absehen, wenn wir ein Bühnenprogramm erstellen und gleichzeitig gilt es zu bedenken, dass viele Körperthemen dem Auge des Betrachters nicht so ohne weiteres zugänglich sind und es ausgefeilter choreografischer Mittel bedarf, Inneres nach Außen sichtbar werden zu lassen und so im Tanz eine Begegnung von Innen- und Außenräumen herbeizuführen.

 

„In den meisten meiner Werke findet sich ein gemeinsames Problem: das des inneren Raumes als Folge und als Ursprung des äußeren Raumes. Um den inneren Raum zu umschreiben, ist es notwendig, ihn zu umhüllen und so werden sie für den Betrachter, der draußen steht, auch umfaßbar (erfaßbar)." Eduardo Chillida.

 

Choreografische Mittel können sein: Kostüme, Wiederholung, Gegensätze, Vergrößerung, Verstärkung durch mehrere TÄ, die die gleiche Bewegung machen, Rhythmus, Musik, Stimme, Bühnenbild, Videoeinspielungen, Beleuchtung ... alles, was Raum und Zeit des Themas sichtbar werden lässt.

 

Georgia O`Keeffe, One Hundred Flowers: „A flower is relatively small. Everyone has many associations with a flower, the idea of flowers. You put out your hand to touch the flower, lean forward to smell it, maybe touch it with your lips almost without thinking, or give it to someone to please them. Still, in a way, nobody sees a flower, really, it is so small, we haven`t time, and to see takes time like to have a friend takes time. If I could paint the flower exactly as I see it no one would see what I see because I would paint it small like the flower is small.
So I said to myself, I'll paint what I see, what the flower is to me but I'll paint it big and they will be surprised into taking time to look at it."

 

3. Tänzerische und choreografische Herausforderung: Tanzen und choreografieren lernen könnte heißen ...

 

Erwachsen werden würde heißen, die Wahrheit nicht mehr zu leugnen, das verdrängte Leiden in sich zu fühlen, die Geschichte, die der Körper emotional kennt, auch mental zur Kenntnis zu nehmen, sie zu integrieren und nicht mehr verdrängen zu müssen. A.M. 81

 

Der Weg zum Erwachsen werden liegt nicht in der Toleranz für die erlittenen Grausamkeiten, sondern in der Erkenntnis seiner Wahrheit und im Wachsen der Empathie für das geschlagene Kind. Er liegt in der Realisierung, wie die Mißhandlungen das ganze Leben des Erwachsenen behindert haben, wie viele Möglichkeiten zerstört wurden und wieviel von diesem Elend an die nächste Generation ungewollt weitergegeben wurde. A.M. 140

 

Mit all dem was wir geworden sind auf die Bühne zu treten als TänzerIn oder als ChoreografIn und den heilsamen Prozess von dancing dialogue process® immer wieder den Zuschauern sichtbar werden zu lassen, darin liegt die Wirkung dieser Tanzform, die sich einer weltweiten Heilungstanztradition verbunden weiß. Eine wache und entspannte Präsenz bei Tanzenden und Publikum kann entstehen und wo früher chronisches Angespanntsein, Angst die Kontrolle zu verlieren und Festgehaltensein in Depressionen, Einsamkeit oder Minderwertigkeitsgefühlen vorherrschten kann jetzt Präsenz, Kommunikation und inneres Wachstum Einzug halten.

 

Es ist das tastende, suchende Ich, das Georgia O' Keeffes großen Beitrag zur Kunstdiskussion des 20. Jahrhunderts darstellt. Nicht zersplittert, nicht expressiv, nicht dramatisch aufgewühlt, keine Potenzgebärden, kein Absolutheitsanspruch, keine heroische Einsamkeit. Ihre Kunst richtete sich auf Selbst-Wahrnehmung und auf ein großes kommunizierendes Kollektiv: „Eines Morgens war die Welt von Schnee bedeckt. Als ich am V der Red Hills vorbeiging, war ich überrascht, sie ganz in weiß zu sehen. Es war ein schöner früher Morgen - Krähen flogen über das Weiß. Das ergab ein anderes Gemälde - die schneebedeckten Hügel, den Himmel stützend, der schwarze aufsteigende Vogel, der immer hier ist und immer wegfliegt."

 

4. Tänzerische und choreografischer Herausforderung: Die Bewegungsmodule HKIT®

 

An dieser Stelle will ich noch einmal exemplarisch auf die Bewegungsmodule HKIT® im dancing dialogue process® eingehen und zwar zunächst auf diese anscheinende Diskrepanz von einem wohl geordneten und gestalteten Kunstwerk und dem Freien Bewegungsimpuls. „Flow", wie das in der modernen Psychologie genannt wird, ist ein Prozess, der aus handwerklichem Können, also geordnetem, strukturiertem Tun entsteht und zu einem zeitloses Fließen mit höchstem Lustgewinn führt.

 

Wu Chen, ein bedeutender chinesischer Maler aus dem 13. Jhr. beschreibt diesen Prozess so: Wenn ich zu malen beginne, dann weiß ich nicht, dass ich male. Ich vergesse völlig, dass ich es bin, der den Pinsel in der Hand hält.

 

Hier treffen wir wieder auf den Gegensatz und unser Thema des Jahres 2005: Choreografische Arbeit und Freier Bewegungsimpuls. Wie löst Wu Chen diesen Gegensatz als Maler? Wie lässt er sich auf der Bühne lösen? oder muss er überhaupt gelöst werden in einer Performance ... ?

 

Ich möchte an dieser Stelle, in Anlehnung an die Arbeit des letzten Jahres, auf die BASICS der HKIT® hinweisen. Sie sind unsere tänzerischen „Zaubergesten" und versetzen uns in die Lage scheinbare Gegensätze zu überwinden, wie dies ja echte Zaubergesten zu tun vermögen. BASICS HKIT® helfen uns:

 

a) die eigene Bewegungsgeschichte aufzuarbeiten und dabei festgehaltene Atem- und Bewegungsmuster zu entdecken und wieder ins Fließen zu bringen,
b) Energien die uns unsere Gefühle zur Verfügung stellen zu bündeln und in einen meditativen und konzentrierten Zustand damit zu kommen
c) Energien zu lenken - nach oben, nach unten, nach vorne, nach hinten, in bestimmte Körperbereiche, nach außen zum Publikum, den MittänzerInnen, dem Raum, in Zeit.

 

Durch das Üben der BASICS HKIT® entwickelt sich eine Handlungskompetenz aus dem Körper heraus und nicht gegen den Körper. Dazu ist es notwendig, sie so oft zu tun, bis sie keine Übungen mehr sind, sondern zu tanzen beginnen und uns wieder in allen Lebenslagen zur Verfügung stehen. Denn diese Bewegungen hat sich niemand ausgedacht, sie sind vielmehr die Bewegungen des Lebens selbst, die wir im Laufe der Zeit verloren, vergessen, verschlurt, blockiert und abgespalten haben.

 

Das alte Wissen um die Tanzarchetypen kann uns dabei helfen die notwendige Geduld zum Üben der BASICS HKIT® aufzubringen. Die Tanzarchetypen stehen uns mit ihrem Bewegungswissen zur Seite, wenn es darum geht, die BASICS HKIT® und ihr Energiepotenzial in Handlung umzusetzen. Hier liegt ein Jahrtausende alter Erfahrungsschatz für uns bereit. Hier haben Menschen vor uns ausprobiert, wie es sich tanzen lässt mit den BASICS HKIT® und welche Früchte diese Tänze tragen. Tanzarchetypen geben uns allerdings auch Tipps, welche Sackgassen wir besser vermeiden und welche Klippen wir besser gleich mal weiträumig umschiffen.

 

5. Tänzerische und choreografische Herausforderung: Die bevorstehenden performances dancing dialogue® im Jahr 2005

 

Es stehen in diesem Jahr im Rahmen der Abschlussprüfungen eine ganze Reihe an Performances an, denen wir uns in der Ausbildungsklasse mit ganzer Kraft zuwenden werden. Denn wo, wenn nicht hier können wir lernen wie es geht eine erfolgreiche Performance zu produzieren?

 

2004 haben wir exemplarisch am Thema Tarantella wichtige Themen einer dancing dialogue performance® erarbeitet, die wir nun bei den neuen Produktionen als Grundlage verwenden können. Das waren: Die Einsamkeit, der Biss, die Krankheit, die Heilung, das Fest. Lassen sich diese Themen als Heilungstanzthemen auf die neuen Produktionen übertragen und wie? Dazu werden wir die Abschlusschoreografien von Erika Munzlinger und Barbara Martini befragen und an der Nacharbeit zu diesen Produktionen wichtige Erkenntnisse für die weitere Bühnenarbeit erlangen.

 

Dann steht eine Soloperformance von Petra Vollenweider nach 3 Jahren dancing dialogue prozess® an und die choreografischen Arbeiten von Renate Barbara Balzer, Ellen Franzki, Andrea Gladrow, Ilona Herzog, Ulrike Schütze. Ich denke, diese Arbeiten werden sich auf zwei Jahre ausdehnen, so dass wir genügend Zeit haben, uns die Entwicklung der Probenarbeit in der Ausbildungsklasse immer wieder anzusehen und daran weiter zu lernen für unseren eigenen dancing dialogue process®.

 

Besonders am Herzen liegen mir auch die Frauen, die jetzt noch nicht so lange dabei sind, Miranda Welter, Eva Maria Braun und ganz neu Regina Tschritter und vielleicht auch Eva Delang. Sie werden uns immer wieder von dem choreografischen Arbeiten zu den Bewegungsmodulen zurückholen, was unendlich wertvoll für uns alle sein wird, denn ohne die Grundlagen verlieren wir uns auf der Bühne.

 

Daneben werden wir uns immer wieder tänzerisch mit den Inzmühlener Gesundheitstagen vernetzen, und den Themen die die Supervisionsklasse dort vorträgt. Den Anfang machen Brigitte Hartwich-Haase im März zum Thema Kinder und Tanz und Helga Eckhoff-Havenstein im November zum Thema Trauma und Tanz. Weitere Performances werden folgen.

 

Alles in allem erwartet uns also ein sehr reiches und fülliges Tanzjahr 2005. Schauen wir mal, wie sich das bewegt und ziehen wir im Januar 2006 die Bilanz unseres Tuns. Ich jedenfalls freue mich, Euch auch in diesem Jahr wieder in Euerem dancing dialogue process® begleiten zu können.
 
weiter >