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Soulfood. - Vortrag PDF Drucken E-Mail
Rede von Gabriele Fischer zur Performance HEILKÜNSTE, gehalten von Elke Wagner am 21. Februar 1998 in Hamburg

Autorin: Gabriele Fischer
Rednerin: Elke Wagner

Ich freue mich, gleichzeitig mit dieser Performance das Tanzbuch 1998 HEILKÜNSTE präsentieren zu können. Das Tanzbuch Heilkünste dokumentiert, wie sich auf den Spuren traditioneller Verbindungen von Kunst und Heilung für uns hier und heute gehbare, tanzbare Heilungswege öffnen. Gabriele Fischer lädt mit ihrer Performance dazu ein, die im Tanzbuch 1998 vorgestellten Heilkünste: Bewegung, Stimme, Tanz, Malen wachsen zu lassen aus der Energie zwischen Tanzender und Zuschauenden. Heilkünste treten ins Dasein, bevor alles vollendet ist, dort an der Schwelle von Gegenwärtigem und Abwesendem die heilende Wirkung der Präexistenz erfahren - schöpferisch sein.
Gabriele Fischer öffnet durch ihren Tanz Heilungsräume. Das Programm umfasst Tänze, die sie in ihrer Arbeit mit den HEILENDEN KRÄFTEN IM TANZ® entwickelt hat und in ihren Kursen unterrichtet. Viele von Euch Tänzerinnen werden sich vielleicht an den einen oder anderen Tanz erinnern. Das Neue und Spannende an der Performance HEILKÜNSTE ist, dass wir als Zuschauende Beteiligte sind, miteintreten in die Heilungsräume, die Tänzerin Fischer mit ihrem Tanz öffnet. Dies geschieht dadurch, dass wir uns zunächst mit unserem eigenen Körper verbinden. Wir treten ein in die Wirklichkeit unseeres Körpers und von da aus verbinden wir uns mit dem Tanz von Gabriele Fischer. Um dies zu tun, bereiten wir uns auf die Tänze AURAPAINTING und FÜßE mit gezielten Körperübungen vor. Zu HEILKÜNSTE gehört, dass alle Zuschauende Gelegenheit haben, das Erlebte, Gesehene in den eigenen Tanz fließen zu lassen und so in ein persönliches Heilungstanzritual zu verwandeln.

 

Zu den Tänzen

AURAPAINTING (Aurabemalung)
Die Heilkunst des Bodypaintings, der Körperbemalung, entstammt altehrwürdigen Traditionen. Von allen künstlerischen Ausdrucksformen entzieht sie sich am entschiedensten einer Definition. Die nackte Haut erweist sich durch ihre abstrahierte Bemalung als die einigende Kraft für alles, was in den Dingen enthalten ist und über sie hinausgeht. Aurapainting führt uns einen Schritt weiter in das hinein, was über den Körper hinausgeht.
Aurapainting öffnet den Raum in die Präexistenz. Hier treten Heilkünste ins Dasein, bevor alles vollendet ist. Die Tänzerin wird zur Schöpferin an der Schwelle von Gegenwärtigem und Abwesendem. Die Technik des Aurapaintings ist gewachsen aus einer Trancetanzreise in die sengende Hitze der australischen Wüste. Aurapainting wurde zu einer Art Körperbemalung, die in den Tanzraum der Aura tritt: gleißendes Licht, strahlende Farbigkeit. Im Ordnen der Aurakräfte entstehen bunte Muster, geometrische Formen, verschlungene Bänder.
Der Tanz mit der Ordnung, die zwischen den Möglichkeiten angesiedelt ist, die sich aus verschiedenen Blickwinkeln ergeben. Daraus entsteht eine neue Gewissheit, die auf der Akzeptanz des Zweifels gründet.
Wir laden Euch ein, Euch mit Atem und Stimme an die Schwelle der Präexistenz zu begeben, als energetische Öffnung für den folgenden Tanz. Ihr könnt so eingestimmt dem Tanz lauschen, Euch mit den Tanzenden verbinden. Die Musik zu AURAPAINTING spielt Christel Meißner auf dem Schwirrbogen.

 

FÜßE
Eintauchen in einen Ozean an Bewegung, in ein Meer aus Fühlen.
Abtauchen auf den Meeresgrund, dort die Schroffheit der Gebirge und Vulkane entdecken
Auftauchen am warmen Strand, weiches Verlangen lehmigroter Erde.

 

Füße ist ein Tanz, der auf den Mikrobewegungen der Füße basiert. Die kulturell und gesellschaftlich bedingten Bewegungsmuster von Gradlinigkeit lösen sich auf. Muskel. Sehnen, Knochen, Häute sind eingeladen, aus ihrer Bewegungsbegrenzung herauszutanzen in ein neues Lebensgefühl des Ganzseins.

 

Füße
Umgang mit Füßen.
Meine Füße wahrnehmen.
Ich selbst sein - Fuß sein.
Füße werden, bewohnen.
Ich selbst in meinen Füßen sein.
Ich selbst werde Fuß, trete ein in die Fußwelt meines Seins. Vom Kopf in die Ferse rutschen.
Langsames Vortasten in ungeahnte Möglichkeiten.
Sehnen, Muskeln, Knöchelchen
Reflexzonen, Meridiane
Körperfließen, Energierausch
Atem, Stimme, Bewegung - Fußwirklichkeit.

 

Der Tanz wird ein Teil des Körpers. Die Betrachterin wird ein Teil dessen, was sie sah.

Um diesen Tanz zu erfassen, laden wir Euch ein, Eure Füße mit Euren Händen zu "erfassen", sie leise und sanft zu bewegen, zu streicheln, ihnen einen guten Abend zu wünschen, sie hin und her zu bewegen, rauf und runter, sie zu wenden und zu drehen, ihre Diagonale zu erfassen, bis Ihr ganz Fuß geworden seid und in den Heilungstanz Gabriele Fischers eintretet.

 

SOULFOOD
Ihr seid alle eingeladen zum Weitertanzen, um das Aufgenommene in Euer persönliches Heilungstanzritual zu verwandeln. Im eigenen Tanz das Erlebte in Nahrung für Euren Körper und Eure Seele zu verwandeln.

 

MYSTIK
Nur durch Leidenschaft können wir
den Geist, der unsre ganze Existenz erfüllt,
von innen spüren.
Die Existenz Gottes wird in der Mystik über den eigenen Körper erlebt.
Zu den Mystikern unserer Kultur gehören Hildegard von Bingen und Meister Eckehard.

 

Gabriele Fischer tanzt zu Texten von Dschelaladdin Rumi und Musik aus dem Iran. Rumi, ein großer islamischer Lehrer aus dem 13. Jahrhundert, lebte in Konya. Er ist der Vater der tanzenden Derwische. Sein Hauptwerk, das Mathnawie, umfasst 20.000 Verse. Hier eine Kostprobe auf deutsch:

 

Gestern,o Bruder, sah ich den Geliebten im Traum
schlummernd am Quellrand unter dem Wildrosenbaum.
Rings standen Huris, die Hände gefaltet, im Kreis,
blühten die Tulpen hier, füllte Jasmin den Raum.
Leise, ganz zärtlich strich ihm der Wind übers Haar ...

 

Aus dem Gefühl der Vereinigung, der inneren Zärtlichkeit, stammen viele von Rumis Versen, die wie rein weltliche Liebeslieder klingen. In weich schwingenden Rhythmen erfindet er immer neue Bilder, um seine Verwirrung und sein Glück auszudrücken:

 

Der Mond küsst jede Nacht den, der die Sterne zählt.
Auf Dein Haar weist mich die Nacht hin, Tageslicht auf Dein Gesicht
Und der Vollmond fällt vom Himmel, wenn Du Deinen Schleier lüftest.
Kein Liebender würde selbst Vereinigung suchen,wenn sein Geliebter sie nicht suchte.
Was ist die Pflicht des Liebenden außer wahnsinnig zu werden?
Ich bin Wind und Du bist Feuer, und ich habe Dich entfacht, sagt die Liebe.

 

Gabriele Fischer tanzt im Stil des klassischen Bauchtanzes. Eine Vielzahl an feinen wellenförmigen, schlängelnden, kreisenden und fließenden Bewegungsabläufen bewegt und macht Schritte, das herkömmliche Grundmuster unserer Tanzkultur, unwichtig. Dort, wo die Musik die Energiezentren des Körpers erbeben lässt, wird Tanz zum Gebet, wird Tanz zum Rosengarten der liebenden Vereinigung mit dem Leben selbst - ein HEILUNGSTANZ. Vibrierende Wärme, außergewöhnliche Schönheit der Bewegungen erschüttern all diejenigen, die das Glück haben, diesen Tanz zu sehen. Der Sänger, den Ihr hören werdet, Sharam Nazeri, ist einer der großen kurdischen Sänger des Irans.

 

Doch nun Bühne frei.

 

MIT MEINEM KÖRPER WILL ICH DICH PREISEN.
 
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