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Im Gegensatz zu einem Maler oder Bildhauer geht es uns im Tanz nicht darum, etwas Bewegtes anzuhalten um es deutlicher sichtbar zu machen, denken wir wieder an Grassoden und Telefon, vielmehr treten wir als Tänzerin mitten hinein in diesen Dialog mit der Wirklichkeit. Durch unseren Körper, durch unsere Bewegungen können sich neue Räume auftun und wir fordern mit unserem Tanz unser Publikum zur Zusammenarbeit auf, so dass sich der Blick auf die eine Wirklichkeit ändern kann und neue Wirklichkeiten oder andere Wirklichkeiten zum Vorschein kommen können. Das nennen wir tanzender Dialog oder Dancing Dialog.

Der Impuls zu tanzen entspringt der Begegnung der beiden Pole Innen und Außen. Wirkt ein Tanz technisch, hölzern, steif ... so liegt das daran, dass die Tänzerin nicht den Mut hat nahe genug heranzutreten um das Wechselspiel zwischen Innen und Außen auszulösen. Denn Nahe kommen kann bedeuten, dass man ertrinkt, wie das Elfriede Jelinek beim Schreiben beobachtet:„Man kann nur etwas beschreiben, wenn man sich in einem gewissen Mindestabstand davon aufhält. Ist man ganz drinnen, sieht man nur das Nächstliegende, und alles verzerrt sich dadurch schrecklich, weil man glaubt das Nächstliegende ist das wichtigste, obwohl es nur zufällig so nah ist. Sieh dich also vor, damit du dich das nächste Mal nicht wieder einer Landschaft zu sehr näherst oder dich in sie begibst. Der Sog zieht dich sonst hinein und du kannst sogar ertrinken. Also:Abstand!" Dieses Abstandhalten fällt in keiner Kunst so schwer wie im Tanzen. Der Tanz ist nicht mittelbar, wie eine Leinwand oder ein Grassoden. Der Tanz ist unmittelbar und aufs Engste mit unserem Körper verbunden.

Jeder autentische Tanz ist ein Zeichen dieses Zusammenspiels von Innen und Außen. Der Umgang mit dem Thema Raum ist dabei von großem Interesse und das was wir über Raum wußten erweiterte sich im Laufe unserer tänzerischen Arbeit beachtlich. Edurado Chillida drückt diese Problematik als Bildhauer wie folgt aus: „In den meisten meiner Werke findet sich ein gemeinsames Problem: das des inneren Raumes als Folge und als Ursprung des äußeren Raumes. Um den inneren Raum zu umschreiben, ist es notwendig, ihn zu umhüllen und so wird er für den Betrachter, der draußen steht, auch umfaßbar (erfaßbar)."